Ost-Lockdown: Eintrittstests für AK-Präsidentin im Handel „nicht machbar"

Gerade für Besitzer kleiner Geschäfte sei es nicht möglich, neben dem Geschäft noch Tests der Kunden zu kontrollieren, meint AK-Präsidentin Renate Anderl. Auch die FFP2-Maskenpflicht sieht Anderl in manchen Bereichen als nicht zumutbar.

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AK-Präsidentin Renate Anderl sieht keine Chance für Eintrittstests im Handel.
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Wien – „Es ist nicht machbar", sagte die Präsidentin der Arbeiterkammer, Renate Anderl, am Dienstag auf die Frage, ob die Eintrittstests im Handel, die nach der Osterruhe in Niederösterreich und im Burgenland kommen sollen, in der Praxis auch umsetzbar sind. „Das ist zwar leicht ausgesprochen, aber nicht umsetzbar", so Anderl. Gerade für Besitzer kleiner Geschäfte, die ihre Shops alleine betreuen müssten, sei es nicht möglich, daneben auch noch die Tests der Kunden zu kontrollieren.

FFP2-Maskenpflicht an vielen Arbeitsplätzen nicht zumutbar

Auch die FFP2-Maskenpflicht am Arbeitsplatz sei „für viele Bereiche nicht zumutbar", so Anderl. Die AK schließe sich der Meinung der Gewerkschaft (ÖGB), dass das nicht praxistauglich sei, voll und ganz an. Körperlich schwer arbeitende Personen – beispielsweise Bauarbeitern – würde beim Arbeiten mit FFP2-Maske rasch die Luft ausgehen, so Anderl. Aber auch für Personal in Großküchen sei diese Regelung nicht durchführbar, da die Masken binnen zwei bis drei Stunden komplett nass wären und gewechselt werden müssten. Dafür würden aber nicht genügend Masken zur Verfügung gestellt.

Auch Ingrid Reischl, leitende Sekretärin im ÖGB, hatte dies im „Morgenjournal" des ORF-Radio bekräftigt: „Es nützt uns nichts, wenn die Arbeitnehmer geschützt sind vor der Pandemie aber umfallen, weil sie keinen Sauerstoff bekommen", sagte Reischl.

Auch die Zutrittstests im Handel lehnt der ÖGB ab. „Die Handelsangestellten sind jetzt schon konfrontiert mit teilweise massiven Angriffen von Kunden, die gar keine Maske tragen wollen, die sie anspucken, die sie beschimpfen und wir können uns nicht vorstellen, dass diese Handelsangestellten, die jetzt eh schon so gefordert sind, dann auch noch einen Test kontrollieren," sagte Reischl zu Ö1.

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Wichtig wäre aus Sicht der AK vor allem, dass die Betriebe mehr Tests für ihre Mitarbeiter zur Verfügung stellen. Das geschehe derzeit noch nicht in dem großen Ausmaß, dass man eigentlich bereits angenommen hätte, sagte Anderl. Hier gebe es dringend Ausbaubedarf. Hinsichtlich der Kommunikation mit der Regierung sagte die AK-Präsidentin, man sei immer bereit, Maßnahmen zu diskutieren und Ideen zu liefern.

Derzeit laufe die Kommunikation mit der Regierung schriftlich. Die in den Medien kolportierte Runde mit den Sozialpartnern habe es "tatsächlich nicht gegeben", so die AK-Präsidentin. „Derzeit schicken wir viele Mails hin und her". Die Verordnung für den Ost-Lockdown und die verschärften Maßnahmen in den östlichen Bundesländern danach sollte laut Anderl „morgen fertig sein".

Die Industriellenvereinigung ist bei der FFP2-Maskenpflicht am Arbeitsplatz ebenfalls der Meinung, dass eine generelle Tragepflicht nicht umsetzbar sei, vor allem „wenn daran die Konsequenz eines massiv verschärften Regimes für die Unterbrechungen des Maskentragens geknüpft wird", sagte Christoph Neumayer, Generalsekretär der Industriellenvereinigung (IV), am Dienstag laut einer Aussendung. Zudem sei eine solche Regelung in Produktionsbereichen gar nicht nötig, da diese ein entsprechendes Raumvolumen aufweisen würden, gut durchlüftet seien und in der Regel einer festen Arbeitsplatzzuteilung unterliegen würden. Viel mehr seien überschießende Maßnahmen in diese Richtung „eine Gefahr für den Aufschwung nach der Krise und Arbeitsplätze", so Neumayer. (APA)


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