Lage in Wiens Spitälern: „Laufen Gefahr, Match in Nachspielzeit zu verlieren"

In Wiens Krankenhäusern ist der Anstieg an Corona-Patienten in den Krankenhäusern massiv. Der Gesundheitsverbund hat sich mit einem eindringlichen Appell an die Bevölkerung gerichtet.

Symbolfoto.
© HELMUT FOHRINGER

Wien – Der Wiener Gesundheitsverbund hat am Mittwoch einen Appell an die Bevölkerung gerichtet. "Stellvertretend für unsere Ärztinnen und Ärzte bitten wir jeden Einzelnen, sich wirklich noch einmal an die Covid-Regeln zu halten. Es ist fast so wie bei einem Fußball-Match. Wir sind jetzt in der Nachspielzeit eines Fußball-Matches, wo wir alle bis dato tapfer gekämpft haben und jetzt Gefahr laufen, das Match in der Nachspielzeit zu verlieren", warnte ein Sprecher im APA-Gespräch.

Laut aktuellen Daten des Innen- und des Gesundheitsministeriums müssen derzeit insgesamt 741 Personen aufgrund einer Corona-Infektion in einem Spital betreut werden. Das sind um 13 mehr als noch am gestrigen Dienstag. Intensivmedizinische Betreuung benötigen davon 208 Personen, um zwei mehr als am Dienstag.

Über einen längeren Zeitraum betrachtet wird das beträchtliche Patientenplus auf den Stationen in Wiens Krankenhäusern besonders deutlich. Im Wochenvergleich müssen um 102 Personen bzw. 16 Prozent mehr im Spital versorgt werden. Auf den Intensivstationen sind es um 32 Menschen bzw. um 18,2 Prozent mehr.

Spezieller Stufenplan in Wiener Krankenhäusern

Um die Patientenversorgung in den Wiener Krankenhäusern zu managen, gibt es einen speziellen Covid-Stufenplan. Dabei wird die Planung der Spitalskapazitäten mit dem laufenden Monitoring der Auslastung der Covid-Versorgungsbereiche kombiniert. Das erlaubt, bei steigendem Bedarf ausreichend Kapazitäten rasch zur Verfügung zu stellen und umgekehrt wieder für die Regelversorgung sicherzustellen. Dabei wird bei der Betreuung von Corona-Infizierten mit den Ordensspitälern und bei der Auslagerung von Operationen mit den Privatspitälern kooperiert.

Der Stufenplan umfasst acht Stufen. Im Moment befinden sich die Spitäler weiterhin im Normalbettenbereich auf Stufe fünf, wo 550 Normalbetten für die Betreuung Covid-Erkrankter vorgesehen sind. Im Intensivbettenbereich wird in den Spitälern weiter auf Stufe sieben agiert, wo circa 260 intensivmedizinische Betten für Corona-Patientinnen und -Patienten freigehalten werden. Darin enthalten sind 90 Betten, die mit High-Flow-Oxygen-Geräten ausgestattet sind. Damit ist eine spezielle Sauerstoff-Therapie bei Corona-Patientinnen und -Patienten möglich.

Therapie hilft bei britischer Mutante oft nicht mehr

Die Geräte wurden speziell für Corona-Kranke angeschafft und haben während der ersten und zweiten Welle gute Dienste geleistet. Im Moment sind allerdings viele dieser speziellen Betten frei, da diese Therapie bei viele Patientinnen und Patienten, die sich mit der britischen Mutation angesteckt haben, nicht mehr hilft. "Viele, die zu uns kommen, müssen invasiv oder mit Vollbetreuung beatmet werden", sagte der Sprecher des Gesundheitsverbundes der APA.

Im Intensivbettenbereich wird derzeit die – höchste – Stufe acht vorbereitet. In dieser Stufe sind 310 intensivmedizinische Betten (davon rund 100 Betten mit High-Flow-Oxygen-Geräten) und 768 Normalbetten für die Betreuung Corona-Kranker vorgesehen. Insgesamt verfügt der Gesundheitsverbund über rund 6000 Normalbetten sowie 550 Intensivbetten – allerdings in Summe und nicht nur für an Covid-19 erkrankte Menschen. Der Preis des Bettenfreimachens für Corona-Patientinnen und -Patienten ist die weitere Reduktion von Leistungen. Die Aktuversorgung bleibt aber jedenfalls immer aufrecht.

Neu an der Versorgung von Corona-Infizierten ist nun ab sofort das zur Vinzenz Gruppe gehörende Orthopädische Spital Speising beteiligt, das dafür einen eigenen Bereich eingerichtet hat, wie in einer Aussendung mitgeteilt wurde. Die dortigen vier Intensivbetten werden von den Speisinger Fachärztinnen und Fachärzten für Anästhesie und Intensivmedizin, sowie der Intensiv-und Anästhesiepflege betreut. Bisher wurden in Speising Nicht-Covid-Intensivpatienten von anderen Spitälern übernommen, um deren Intensivstationen für die Betreuung von Covid-Erkrankten frei zu halten und in weiterer Folge zu entlasten.

Auswirkungen auf die Leistungen soll es laut Aussendung nicht geben. Nach derzeitigem Stand werden wie bisher operative und ambulante orthopädische Leistungen angeboten, hieß es. Die Intensivstation und der Aufwachraum würden weiterhin als Versorgungseinheiten für eigene wie auch externe Nicht-Covid-Patienten bestehen bleiben.

Elf Todesfälle in Wien in den vergangenen 24 Stunden

Was das Infektionsgeschehen in Wien betrifft, so gibt es mittlerweile laut medizinischem Krisenstab der Stadt seit Beginn der Pandemie 115.520 positive bestätigte Testungen. Darin enthalten sind 1076 neue Fälle, inklusive Nachmeldungen der vergangenen Tage, hieß es in einer Aussendung am Mittwoch. Weiters sind 1910 Todesfälle aufgrund von bzw. an den Folgen von Covid-19 dokumentiert. In den vergangenen 24 Stunden gab es dabei erneut elf Todesfälle zu beklagen. Wieder gesund sind 103.592 Personen.

Am gestrigen Dienstag wurden in Wien 78.155 Corona-Testbefunde eingemeldet, davon 45.932 PCR-Tests und 32.223 Antigen-Schnelltests. Der Anteil der britischen Variante (B.1.1.7) am Wiener Infektionsgeschehen liegt derzeit bei 93 Prozent. (APA)


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