Tonnenschwerer Felsbrocken schlug in Haus in Neustift ein

Kurz nach 2 Uhr durchschlug ein fünf Mal drei Meter großer Felsen in der Nacht auf Freitag die Fassade eines Wohnhauses im Ortsteil Scheibe. Verletzt wurde niemand. Ein provisorischer Schutzwall soll die Wohnhäuser gegen möglicherweise nachkommendes Gesteinsmaterial sichern.

Der Felsblock blieb in der Hauswand stecken.
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Neustift im Stubaital – Es war kurz nach zwei Uhr, als die Bewohner des Neustifter Ortsteils Scheibe in der Nacht auf Freitag höchst unsanft aus dem Schlaf gerissen wurden: Ein fünf Mal drei Meter großer Felsbrocken war in ein Wohnhaus eingeschlagen und in der Fassade stecken geblieben.

Er sei durch ein seltsames Geräusch wach geworden, schilderte ein Hausbewohner den Vorfall. Als er aus dem Fenster geschaut habe, habe er einen gewaltigen Felsbrocken auf das Haus zukommen sehen. Der rund zehn Tonnen schwere Gesteinsbrocken kam in der derzeit leerstehenden Ferienwohnung zum Liegen. Verletzt wurde zum Glück niemand, das Haus wurde allerdings massiv beschädigt.

Die alarmierte Feuerwehr evakuierte insgesamt 14 Personen aus den umliegenden Häusern. Sie wurden teilweise bei Nachbarn untergebracht, konnten inzwischen aber in ihre Wohnräume zurückkehren. Die Gemeindestraße wurde umgehend gesperrt, ebenso der Uferweg.

📽️ Video | Riesiger Felsblock stürzte in Neustifter Haus

Schutzwall errichtet

Landesgeologe Roman Außerlechner begutachtete die Situation am Freitagvormittag gemeinsam mit der Gemeindeeinsatzleitung, der Freiwillige Feuerwehr Neustift und der Wildbach- und Lawinenverbauung vor Ort. Nach Erkundungsflügen mit dem Landeshubschrauber sowie einer Drohne berichtete der Experte im Gespräch mit der Tiroler Tageszeitung: „Die sogenannte Scheibe hat sich rund 150 Meter oberhalb des Hauses gelöst, sich dabei ungünstig gedreht und ist als Rad mit immenser Geschwindigkeit talwärts gerollt“, berichtete der Experte gegenüber der Tiroler Tageszeitung. Am Weg nach unten habe der Fels zwei Steinschlagschutznetze durchbrochen und die Franz-Senn-Straße übersprungen.

Fels durchschlug Hausfassade

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Dass es zu einem weiteren Felssturz in dieser Dimension kommen könnte, schließt der Landesgeologe nach den Erkundungsflügen aus. „Jedoch handelt es sich hierbei generell um einen latent steinschlaggefährdeten Bereich“, gibt der Landesgeologe zu bedenken.

Da die Steinschlagschutznetze durch den Felssturz zerstört wurden, soll nun kurzfristig ein provisorischer, etwa drei Meter hoher Erdwall errichtet werden, um eventuell nachkommendes Material aufzuhalten und die Wohnhäuser sowie die Straße zu schützen. Dies wird laut Außerlechner voraussichtlich noch einige Tage in Anspruch nehmen. Anschließend könnten die Evakuierung und die Sperre der Gemeindestraße wieder aufgehoben werden. Im Anschluss sollen die beschädigten Steinschlagschutznetze repariert werden. (TT.com)

15 Feuerwehrleute standen mit drei Fahrzeugen im Einsatz.
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