Turbulenzen in Jordanien: Prinz Hamza offenbar unter Hausarrest

Dem Halbbruder von König Abdullah II. und weiteren Verdächtigen wird die Untergrabung der Sicherheit des Königreichs vorgeworfen. Nach eigenen Angaben steht der frühere Kronprinz Hamza unter Hausarrest.

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2004 setzte König Abdullah II. Prinz Hamza als Thronfolger ab – und ernannte später seinen eigenen Sohn zum neuen Kronprinzen. In einem Dekret hieß es damals, König Abdullah II. wolle seinen Halbbruder von den „Zwängen“ seiner Position befreien, um ihm andere Möglichkeiten zu geben. Der König hatte Prinz Hamza wenige Jahre zuvor zunächst für das Amt bestimmt.
© KHALIL MAZRAAWI

Amman – Die jordanischen Behörden werfen dem Halbbruder des Königs, Hamza bin Hussein, und weiteren Verdächtigen Untergrabung der Sicherheit des Königreichs vor. Den Sicherheitsbehörden zufolge habe es „Kontakte zu ausländischen Vertretern“ gegeben, die darauf abzielten, „die Sicherheit Jordaniens zu destabilisieren“, sagte der stellvertretende Regierungschef Ayman Zafadi am Sonntag. Der frühere Kronprinz Hamza steht nach eigenen Angaben unter Hausarrest.

Es seien insgesamt mehr als ein Dutzend weitere Verdächtige festgenommen worden, hieß es. Die Sicherheitsdienste hätten König Abdullah II. empfohlen, alle Beteiligten vor das Staatssicherheitsgericht zu stellen, fügte Zafadi hinzu. Die US-Zeitung „Washington Post“ hatte berichtet, Hamza sei im Zuge von Ermittlungen zu einem Komplott unter Restriktionen gestellt worden.

Hamza erhebt schwere Vorwürfe gegen den König

Das Komplott zielte demnach offenbar auf den Sturz von Abdullah II. ab. Der Monarch hatte den Thron 1999 nach dem Tod seines Vaters König Hussein bestiegen. Der 41-jährige Hamza dementierte in einem von der britischen BBC veröffentlichten Video, in eine Verschwörung verwickelt zu sein. Das Video soll der Prinz in seinem Arrest aufgenommen und dem Sender mit Hilfe seines Anwalts zugespielt haben. Darin erhebt er schwere Vorwürfe gegen König Abdullah II. Er spricht von Festnahmen, Einschüchterung und Drohungen gegen Kritiker des Königs. Die „unfähige und korrupte“ Regierung wolle ihre Gegner mit allen Mitteln mundtot machen.

Prinz Hamza sagt in dem Video, der Generalstabschef habe ihn Samstag früh besucht und darüber informiert, dass er das Haus nicht verlassen und keinen Kontakt zur Außenwelt haben dürfe. Seine Telefon- und Internetverbindung sei gekappt worden. „Ich bin nicht Teil irgendeiner Verschwörung oder ruchlosen Organisation oder Gruppe mit ausländischer Unterstützung“, beteuerte der Prinz.

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Angebliche Festnahme von 20 Menschen wegen "Komplotts"

Auch Prinz Hamzas Mutter schaltete sich inzwischen ein. Die Anschuldigungen seien eine „böse Verleumdung“, teilte sie am Sonntag auf Twitter mit. Königin Noor bete für die unschuldigen Opfer. Sie ist eine Witwe des früheren Königs Hussein. Fast zeitgleich zur Wortmeldung des Prinzen hatte die „Washington Post“ über die Festnahme von fast 20 Menschen in Zusammenhang mit einem angeblichen Komplott gegen König Abdullah II. berichtet. Eine offizielle Bestätigung gab es dafür nicht.

Die Staatsagentur Petra meldete, dass zwei hochrangige Männer und weitere Verdächtige „aus Sicherheitsgründen“ festgenommen worden seien: Bassim Auadalla, ehemaliger Vorsitzender des Königlichen Gerichts, und Hassan bin Said, Mitglied der Königsfamilie. Prinz Hamza sei dagegen weder festgenommen noch unter Hausarrest gestellt worden.

Auch Generalstabschef Yusef Huneity dementierte, dass der Prinz unter Hausarrest gestellt worden sei. Er forderte ihn in einer Mitteilung jedoch auf, Handlungen zu unterlassen, die die Stabilität und Sicherheit des Königreichs gefährden könnten.

Zwischen den Brüdern sei ein Streit offen ausgebrochen, berichtete das „Wall Street Journal“. 2004 setzte König Abdullah II. Prinz Hamza als Thronfolger ab - und ernannte später seinen eigenen Sohn zum neuen Kronprinzen. In einem Dekret hieß es damals, König Abdullah II. wolle seinen 24-jährigen Halbbruder von den „Zwängen“ seiner Position befreien, um ihm andere Möglichkeiten zu geben. Der König hatte Prinz Hamza wenige Jahre zuvor zunächst für das Amt bestimmt.

Von plötzlichen Wechseln in der Thronfolge hatte der seit 1999 regierende König Abdullah II. einst selbst profitiert. Sein Vater, König Hussein, hatte ihn kurz vor dessen Tod überraschend zum Thronfolger ernannt. Zuvor war jahrzehntelang Husseins Bruder Hassan als Kronprinz für das Amt vorgesehen gewesen.

Jordanien gilt als vergleichsweise stabil und sicher

Saudi-Arabien, Ägypten und andere arabische Länder drückten ihre Unterstützung für König Abdullah II. aus. US-Außenamtssprecher Ned Price bezeichnete den Monarchen als „Schlüsselpartner“ der USA, der die „volle Unterstützung“ der Vereinigten Staaten habe. Jordanien gilt im Vergleich zu einigen seiner regionalen Nachbarn als weitgehend stabil und sicher.

Der Fall des Prinzen erinnert an Berichte über Festnahmen mehrerer hochrangiger Mitglieder der Königsfamilie in Saudi-Arabien vor gut einem Jahr. Die „New York Times“ und das „Wall Street Journal“ berichteten damals unter Berufung auf Eingeweihte, dass ihnen eine Verschwörung vorgeworfen werde. (APA/dpa/AFP)


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