MAN-Abstimmung in Steyr: Zentrale peilt nach Nein-Votum Schließung an

63,9 Prozent der mehr als 2300 Beschäftigten des Nutzfahrzeugherstellers stimmten gegen eine Übernahme von Wolf. Die WSA Beteiligungs GmbH wollte das Werk übernehmen, aber nur einen Teil der Belegschaft behalten. Nun werden Schließungspläne „wieder aufgenommen".

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Außenaufnahme des Standortes des deutschen Lkw- und Bus-Herstellers MAN in Steyr. (Archivbild)
© APA/Fotokerschi

Steyr, München, Wien – Die Belegschaft des MAN-Werks in Steyr hat mit knapp 64 Prozent gegen den Übertritt in die WSA Beteiligungs GmbH von Siegfried Wolf gestimmt. Die MAN-Zentrale in München teilte daraufhin umgehend mit, dass man nun die Schließungspläne weiterverfolgen werde. Die Belegschaftsvertretung gibt sich hingegen nach wie vor kämpferisch und will weiter verhandeln.

Von 2356 stimmberechtigten MAN-Mitarbeitern und Leasingkräften haben 2215 an dem Votum teilgenommen. 27 Stimmen waren ungültig, 2188 gültig. Von den gültigen entfielen 773 (34,9 Prozent) auf "Ja" und 1415 (63,9 Prozent) auf "Nein". Bei den Leasingkräften soll die Ablehnung mit 71,4 Prozent höher gewesen sein als bei der Stammbelegschaft. Die Wahlbeteiligung lag bei insgesamt 94 Prozent. Investor Wolf hatte sich "ungeteilte Zustimmung" gewünscht, aber zumindest zwei Drittel angepeilt.

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Enttäuscht hat der Vorstand der MAN Truck & Bus auf das Abstimmungsergebnis der Belegschaft in Steyr reagiert. "MAN nimmt jetzt als Konsequenz die Pläne zur Schließung des Werks in Steyr wieder auf", ließ die Zentrale in München in einer Aussendung wissen, dass dies die einzige Alternative zu dem Übernahme-Angebot von Wolf ist. MAN-Personalvorstand und Arbeitsdirektor Martin Rabe erklärte: "Wir sind vom Ergebnis wirklich sehr enttäuscht, da wir die angebotene Alternative zur Schließung als einen für alle Beteiligten sehr guten Weg angesehen haben." Offenbar habe es innerhalb der Belegschaft noch zu wenig Transparenz über "das wirklich gute Konzept der WSA Beteiligungs GmbH" geben, bedauerte Rabe.

📽️ Video | MAN-Abstimmung: Knapp 64 Prozent gegen Wolf-Übernahme

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Konzept klar abgelehnt, als Konsequenz Schließungspläne

Die Belegschaft habe das Konzept klar abgelehnt, sagte der stellvertretende Betriebsratsvorsitzende Helmut Emler zur APA. Das Konzept von Wolf sei zwar "schlüssig, die Einschnitte wären aber zu gravierend gewesen. Das sah offenbar auch die Belegschaft so. Der Betriebsrat meinte, dass zudem in den vergangenen Wochen viele Fragen offen geblieben seien, die auch Wolf nicht habe beantworten können.

Dass MAN das Werk nun schließen will, ist für die Belegschaftsvertretung noch nicht gegessen: "Als Betriebsrat werden wir morgen beginnen, mit MAN das Gespräch zu suchen", so Emler. Die Schließung sei erst für 2023 vorgesehen, die Kunststofflackiererei, wo rund 400 Mitarbeiter beschäftigt sind, hätte sogar bis 2027 weiter für MAN arbeiten sollen. Ziel sei eine Lösung wie in Deutschland, wo die ursprünglichen Sparpläne entschärft worden sind. Man sei auch anderen Investoren gegenüber offen, sagte er auf das Konsortium rund um den Industriellen Karl Egger (KeKelit) angesprochen, das Interesse gezeigt hatte, aber von MAN nicht ernsthaft erwogen worden war.

📽️ Video | Reporterin Alexandra Siebenhofer aus Steyr

"Derzeit keine betriebsbedingten Kündigungen"

Rechtliche Schritte nach der Kündigung des Standortsicherungsvertrags durch die MAN-Zentrale seien vorerst "nicht das Thema", denn "wir haben Vollauslastung, es gibt derzeit keine betriebsbedingten Kündigungen". Eine Schließung "werden wir aber nicht akzeptieren".

Wolf wollte das Werk übernehmen, aber nur einen Teil der Belegschaft behalten. Zudem müssen die Verbleibenden mit Gehaltseinbußen rechnen. Daher wurden die Mitarbeiter von ihrer Vertretung zur Urabstimmung gebeten. Die MAN-Zentrale in München hat bereits die Standortgarantie bis 2030 aufgekündigt und sieht als einzige Alternative die Schließung des Werks bis 2023. (APA)


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