Japan entschied: Verseuchtes Fukushima-Wasser soll ins Meer

Vor zehn Jahren verursachen Erdbeben und ein Tsunami im japanischen Atomkraftwerk Fukushima einen Super-GAU. Nun will die Regierung Hunderttausende Tonnen Wasser aus dem Reaktor ins Meer ablassen. Das Wasser ist zwar aufwendig gefiltert, aber nicht frei von radioaktiven Substanzen.

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Aktuell haben sich rund 1,25 Millionen Tonnen verseuchtes Wasser in der Anlage von Fukushima angesammelt.
© PHILIP FONG

Fukushima – Japan will über eine Million Tonnen kontaminiertes Wasser aus dem zerstörten Unglücksreaktor von Fukushima ins Meer leiten. Regierungschef Yoshihide Suga gab diese Entscheidung zur Entsorgung des Wassers bekannt. „Unter der Prämisse der strikten Einhaltung der festgelegten regulatorischen Standards wählen wir die Freisetzung im Meer", hieß es in einer Erklärung. Der gesamte Prozess werde vermutlich Jahrzehnte dauern. Die Pläne haben bereits Proteste bei Umweltschützern, Fischern und Landwirten der Region ausgelöst sowie Besorgnis in Peking und Seoul. Das Ablassen des Wassers soll in zwei Jahren beginnen.

Die Entscheidung soll einen jahrelangen Streit um Hunderttausende Tonnen Wasser beenden, das unter anderem zur Kühlung der Atomanlage nach der Erdbeben- und Tsunami-Katastrophe im Jahr 2011 verwendet worden war. Das Wasser wurde nach japanischen Angaben einem umfangreichen Filterungsprozess unterzogen, um die meisten radioaktiven Isotope zu entfernen. Das Isotop Tritium bleibt dabei jedoch zurück. Für Menschen ist es laut Experten nur in sehr hohen Dosen schädlich. Das Wasser soll außerdem noch verdünnt werden.

Bis 2022 keine Lagerkapazitäten mehr

Der Betreiber Tokio Electric Power Company (Tepco) hat mehrere Millionen Tonnen verseuchtes Wasser auf dem Gelände des Atomkraftwerks gespeichert, das 2011 durch einen Tsunami zerstört wurde. Seitdem müssen Reaktoren mit Wasser gekühlt werden, um eine Kernschmelze zu verhindern. Tokio Electric hatte erklärt, 2022 werde es keine Lagerkapazitäten mehr haben. Die Internationale Atomenergiebehörde hat den Vorschlag für das Ablassen des aufbereiteten Fukushima-Wassers bereits gebilligt.

Das am Meer gelegene Atomkraftwerk Fukushima war kurz nach einem schweren Erdbeben am 11. März 2011 von einer fast 15 Meter hohen Tsunami-Wasserwand getroffen worden. Knapp 20.000 Menschen kamen ums Leben. Das Kühlsystem des Kraftwerks fiel aus, in drei der sechs Reaktoren kam es zur Kernschmelze. Die Katastrophe verwandelte umliegende Orte in Geisterstädte. Es war das schlimmste Atomunglück seit der Tschernobyl-Katastrophe von 1986.

Viele Japaner sowie Umweltschützer und örtliche Fischereiverbände lehnen den Schritt strikt ab. Auch einige Nachbarländer wie China und Südkorea äußerten am Montag vor der Entscheidung Bedenken. Das US-Außenministerium teilte indes mit, Japan habe die Entscheidung transparent getroffen und scheine einen Ansatz gewählt zu haben, der den weltweit anerkannten Standards für nukleare Sicherheit entspreche. (APA/dpa/AFP/Reuters)


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