Tauziehen um Herdenschutz im Obergricht kurz vor Almauftrieb

Wenige Wochen vor dem Almauftrieb ist das große Herdenschutzprojekt im Obergricht nicht in trockenen Tüchern. Laut Land ist man in der „finalen Phase“.

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Künftig sollen die Fließer, Spisser und Pfundser Schafe in Begleitung eines Hirten über die Almen ziehen (Symbolfoto).
© AP/Endlicher

Von Matthias Reichle

Spiss – Es soll ein Vorzeigeprojekt werden – und dem Wolf in Zukunft gehörig den Appetit auf Schaffleisch verderben. Gleich mehrfach hat der Räuber im vergangenen Jahr auf Fließer, Pfundser und Spisser Almen zugeschlagen. Doch statt die Tiere heuer im Tal zu lassen, setzt man dort auf ein neues Herdenschutzprojekt, das in Tirol einzigartig sein dürfte. Bereits im Winter hat sich dafür ein Verein gegründet. Im Mai sollen 850 Schafe aus den drei Gemeinden gemeinsam mit Hirte und Hirtenhund auf ihre Almen ziehen, die sich allesamt im Grenzgebiet zur Schweiz befinden. Mit einer 24-Stunden-Betreuung will man dafür sorgen, dass saftige Gräser die Einzigen sind, die dort gefressen werden. 35 Bauern beteiligen sich.

Doch das Vorzeigeprojekt ist derzeit noch nicht in trockenen Tüchern – nur wenige Wochen vor Beginn der Almsaison ist der Fördervertrag mit dem Land noch nicht unterschrieben. Im Hintergrund hört man von „harten Verhandlungen“ und einer Vereinbarung, die derzeit noch nicht unterschriftsreif sei.

„Wir betreten mit diesem Projekt absolutes Neuland. Alle daran Beteiligten leisten Pionierarbeit und wenden dafür viel Zeit auf“, hieß es gestern aus dem Büro von Landeshauptmann-Stv. Josef Geisler. Der Fördervertrag befinde sich in der „finalen Phase“, er werde rechtzeitig zu Beginn der Almsaison abgeschlossen. Der Start ist für den 8. Mai geplant. „Derzeit werden noch einige Details wie etwa die Ausstattung der Hirtenunterkünfte geklärt. Gerechtfertigte Sachkosten werden jedenfalls zur Gänze übernommen. Und auch eine Abgeltung des Mehraufwands bei der Arbeitsleistung ist gewährleistet“, heißt es vom Land.

Das Projekt soll heuer mit rund 120.000 Euro gefördert werden – fünf Jahre soll es laufen. Haken dürfte es bei der Frage, was das Land etwa bei den Hirtenhütten als Grundausstattung fördert und was vom Verein selbst angeschafft werden muss. Auch rund um die Anstellung des Hirten benötige es noch einige Klärungen. Von „offenen Fragen“ sprach gestern Vormittag auch der Obmann des Herdenschutzvereins, Robert Hueber. Inzwischen habe man bereits erste Aufträge vergeben – eine von zwei geplanten neuen Hirtenhütten sei knapp vor der Fertigstellung. Auch einen Zaun habe man schon angekauft.

Zuversichtlich, dass es zu einer Einigung kommen wird, ist Huebers Stellvertreter, der Pfundser Vizebürgermeister Peter Wille. Man habe den Vertrag geprüft und nun einige Änderungswünsche. Das Projekt sei zu wichtig, betont er. Und sieht finanziell keine Probleme – man habe die Rückendeckung der drei Gemeinden Fließ, Pfunds und Spiss, erklärt er. Der Verein werde nicht im Regen stehen gelassen.

Wie Obmann Hueber gegenüber der TT betont, bekam auch er gestern positive Signale seitens des Landes.“ Man werde zu einer Einigung kommen.


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