Dritte Welle in Tirol nimmt Fahrt auf: Appell zu mehr Corona-Disziplin

Dritte Welle in Tirol nimmt Fahrt auf. Info-Offensive auch bei Menschen mit Migrationshintergrund.

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Das Land Tirol setzt weiter auf eine flächendeckende Teststrategie wie jetzt auch im Außerferner Heiterwang, um die Ansteckungsketten zu durchbrechen und das Infektionsgeschehen einzudämmen.
© Böhm

Innsbruck – Tirol befindet sich momentan in einer schwierigen Phase, in den nächsten Tagen könnte das Land österreichweit das höchste Infektionsgeschehen aufweisen. Die dritte Corona-Welle nimmt leider Fahrt auf. Die schwarz-grüne Landesregierung hat gestern darüber beraten, an lokalen Maßnahmen wird festgehalten. So ist die Bevölkerung von Heiterwang jetzt zu flächendeckenden Antigen-Tests aufgerufen. Beschränkungen sind derzeit kein Thema, vielmehr hofft die Regierung, dass durch die angekündigten Öffnungsschritte im Mai mit Zutrittstests etwa in der Gastronomie die Teststrategie noch weiter ausgedehnt wird. Für Landeshauptmann Günther Platter bleiben Tests neben dem Impffortschritt weiterhin der Schlüssel zur Eindämmung der Pandemie.

Der Innsbrucker Infektiologe und Direktor der Uni-Klinik für Innere Medizin, Günter Weiss, sieht in der Ausbreitung der britischen Coronavirus-Mutation einen Grund für die steigenden Infektionszahlen in Tirol. „Sie ist zu 35 Prozent ansteckender.“ Andererseits gebe es immer mehr Cluster, die auf diverse private Treffen zurückzuführen seien. „Die Corona-Müdigkeit greift um sich, die Menschen halten sich nicht mehr an die Maßnahmen.“ Aber gerade die Eigenverantwortung sei laut Weiss natürlich weiter notwendig. Darüber hinaus müssten die Menschen aber aus der Perspektivenlosigkeit herausgeholt werden, weshalb er weitere Öffnungsschritte befürwortet. „Insgesamt beobachten wir derzeit aber ein ständiges Auf und Ab.“

Optimistisch stimmt Weiss jedoch die beginnende Durchimpfung und dass viel weniger ältere Menschen stationär behandelt werden müssen. „Die Lage auf den Intensivstationen ist zwar angespannt, aber stabil.“

Ein sensibles Thema, das in Tirol wie auch in Ostösterreich zunehmend eine Rolle spielt, sind Infektionen bei Personen mit Migrationshintergrund. Ihr Anteil unter den Corona-Patienten auf den Covid-Stationen in den Spitälern beträgt fast 50 Prozent. Darüber hat die Landesregierung am Dienstag ebenfalls beraten. Eine Ursache dafür wird auf Informationsdefizite zurückgeführt, Politik und Experten erreichen diese Bevölkerungsgruppen wesentlich schlechter. Jetzt im Fastenmonat Ramadan, in dem Muslime untertags fasten und am Abend vielfach in Gruppen beim Essen zusammensitzen, sei Aufklärung besonders wichtig, heißt es. Günter Weiss sieht hier ebenfalls Handlungsbedarf, „damit wir auch diese Mitbürger viel besser erreichen“. Das Land will deshalb in den kommenden Tagen eine Informationsoffensive starten, um die Bewusstseinsbildung noch stärker voranzutreiben. (pn)

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