Ein kleiner Pilz hinterlässt in Kufstein eine große Lücke

Entlang der Wildbichler Straße in Kufstein müssen an die 100 Bäume gefällt werden. Wegen Pilzbefalls werden die Eschen zur Gefahr.

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Bezirksforstinspektor Edwin Klotz, Jürgen Wegscheider und Johannes Ehrensberger (BBA, v. l.) vor dem großen Eschenbaum, der in Kufstein von der Straßenböschung auf die Wiese stürzte.
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Von Wolfgang Otter

Kufstein – Der große Eschenbaum an der Böschung der Wildbichler Straße (B175) im Bereich der so genannten Stern-Hochhäuser fiel ohne Vorzeichen plötzlich auf die Wiese. „Nicht auszudenken, wenn der weiter oben an der Böschung gestanden und auf die Straße gestürzt wäre, oder Personen auf der Wiese unterwegs gewesen wären und der Baum sie getroffen hätte“, zeigte sich Jürgen Wegscheider vom Baubezirksamt (BBA) Kufstein erschrocken. Da wurden Erinnerungen an die Tragödie in Innsbruck wach, wo eine 17 Meter hohe Scheinakazie im März umstürzte und eine Frau schwer verletzte. Und damit herrschte Alarmstufe Rot beim BBA.

Edwin Klotz, seit Jahreswechsel Chef der Bezirksforstinspektion Kufstein, nahm aufgrund des Vorfalls mit seinem Team den restlichen Baumbestand an der Böschung unter die Lupe und war „erschrocken, wie weit es fehlt“, wie er sagt. Fazit: „Mir blutet das Herz, aber wir werden an die 100 Bäume auf einer Strecke von rund 300 Metern fällen müssen. Da bleibt leider nicht mehr viel übrig.“ Betroffen sind überwiegend Eschen und einige andere schwer geschädigte Bäume.

Das besondere Gefahrenmoment offenbart der umgestürzte Eschenbaum. Bei ihm waren die Wurzeln abgestorben, der leichteste Windhauch hat den Baum umgepustet. „Oder er ist von selbst umgefallen, weil er keinen Halt mehr hatte“, zeigt Klotz die Gefahr auf.

Verantwortlich für die Situation ist ein Pilz namens „Falsches Weißes Stengelbecherchen“. Er wurde vermutlich aus Nordost-Asien eingeschleppt, wie der Internetseite des Bundesforschungszentrums für Wald (BFW) zu entnehmen ist. Über Osteuropa breitete sich der Mikropilz immer mehr aus und ist vor rund sechs bis sieben Jahren auch im Bezirk Kufstein aufgetreten. Er wütet hier aufgrund des dichten Eschenbestandes besonders stark. Wie Klotz berichtet, sind an die vier bis fünf Prozent dieser Baumart gegen den Pilz resistent. Diese werden für eine Nachzucht verwendet. Der Rest wird verschwinden.

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Für die Eschen an der Böschung der Wildbichler Straße kommt jede Hilfe zu spät. Die Schädigung ist zu weit fortgeschritten. In wenigen Tagen werden Arbeitsteams anrücken und die Bäume entfernen, wie Straßenmeister Johann Ehrensberger ankündigt. Dass ein derartiger Eingriff auch Kritik mit sich bringen wird, ist dem Trio klar. Aber die Maßnahme sei alternativlos. „Und ich lasse mich lieber dafür schimpfen, dass ich Bäume umschneide als nach einem Unglück dafür, dass wir nichts unternommen haben. Das Risiko kann ich nicht tragen“, stellt Klotz klar.


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