Auch die Jungen stecken sich zu Hause an, Zahl der Spitalspatienten sinkt

Die Zahl der Ansteckungen im Haushalt und die Zahl der jungen Infizierten steigt. Jene der Spitalspatienten sinkt hingegen.

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Ansteckungen im Freien sind selten. Jene in Öffis und in den Schulen sind gesunken, die in den eigenen vier Wänden weiter gestiegen.
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Innsbruck – Es gibt zwar mehr positiv Getestete, aber weniger Patienten, die im Spital landen. 37 Patienten mussten mit Stand gestern Mittwoch in Tirol intensivmedizinisch betreut werden. Auf der Intensivstation der Innsbrucker Klinik haben sich die Mediziner das Durchschnittsalter ihrer Patienten angesehen. Während der ersten Welle lag es bei 60 Jahren, während der zweiten von September bis Mitte November lag der Schnitt bei 65 bis 70 Jahren. „Seit Mitte November ist es kontinuierlich gesunken. Am 1. März war der Durchschnittspatient 52 Jahre alt“, sagt Johannes Schwamberger, Sprecher der Tirol Kliniken.

Aber obwohl zuletzt die Zahl der infizierten Jungen markant gestiegen ist, ist das Durchschnittsalter der Intensivpatienten seit März wieder gestiegen und liegt jetzt bei über 60 Jahren. Das hängt vermutlich mit der Durchimpfung in Tirols Altenheimen zusammen. Wenn neue Heimbewohner kommen, die noch nicht geimpft sind, steigt die Gefahr, dass sie sehr schwer an Covid erkranken.

Die meisten jungen Patienten kommen in die Innsbrucker Klinik. Denn die Beatmung mit einer Herz-Lungen-Maschine ist einem älteren Patienten nicht mehr zuzumuten. Neben den 37 Intensivpatienten befinden sich 110 Covid-Kranke in Tirols Spitälern. Rund 2400 meldete das Land gestern insgesamt als aktiv positiv.

Dass die Zahl der infizierten Jungen gestiegen ist, hänge auch mit der hohen Zahl an Testungen in den Schulen zusammen, erklärt eine Sprecherin des Gesundheitsministeriums. In der Altersgruppe der Sechs- bis 14-Jährigen liegt die Sieben-Tage-Inzidenz bei 274, bei den 15- bis 24-Jährigen bei 277, in der am stärksten gefährdeten Gruppe der über 75-Jährigen dagegen bei 90.

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Meiste Infektionen zu Hause, Hoffen auf Impfung für Junge

Bei der AGES, der Agentur für Gesundheit und Ernährungssicherheit, die alle Covid-Daten analysiert, verweist man aber darauf, wo die meisten Infektionen passieren. Nach wie vor stecken sich die Österreicher zu Hause an. Statt zu sinken, steigt die Zahl der Infektionen dort. In den letzten fünf Wochen von 67 auf jetzt 73 Prozent österreichweit. Die Infektionen in der Freizeit stiegen von 15 auf 17 Prozent. Im Sektor Bildung sind im selben Zeitraum die Infektionen zurückgegangen. Nämlich von sieben auf einen Prozent. So gut wie keine Infektionen gibt es in den Öffis. 0,1 Prozent der Infektionen gehen auf den Sektor Transport zurück.

Wenn ein Impfstoff für unter 16-Jährige zugelassen wird, würden wir eine Impfung empfehlen.
Sprecherin aus dem Gesundheitsministerium

Weil es auch bei jungen Patienten zu einem schweren Verlauf kommen kann und es auch Fälle von Long-Covid-Erkrankungen bei jüngeren Altersgruppen gibt, hofft das Gesundheitsministerium auf die Entwicklung von Impfstoffen, die auch für unter 16-Jährige zugelassen werden. „Sobald ein Impfstoff für Kinder und Jugendliche zugelassen wird und zur Verfügung steht, ist aus heutiger Sicht auch eine Impfung dieser Zielgruppe empfehlenswert, auch aus epidemiologischen Gründen“, heißt es aus dem Ministerium.

Indes ist ein Streit um das Messen der Pandemie ausgebrochen. Kritiker sagen, es mache keinen Sinn, den Fokus derart auf die Sieben-Tage-Inzidenzen zu legen. Entscheidend sei, wie viele der positiv Getesteten tatsächlich erkranken und im Spital landen. Die Zahl 50 als Messlatte bei den Sieben-Tage-Inzidenzen sei veraltet, weil sie aus einer Zeit stamme, in der weitaus weniger Tests gemacht worden seien. Zudem brauche es eine Kategorisierung nach Altersgruppen. Befürworter meinen, dass die Zahl 50 der Wert sei, unter dem Contact Tracing funktionieren würde. Sie beharren darauf, dass die 50 als Richtwert für Corona-Maßnahmen bleibt. (aheu)


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