Seltene Pflanze entdeckt: Botanische Sensation am Piz Val Gronda in Ischgl

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Die Schwarzrote Segge ist eine extrem seltene Pflanze – am Piz Val Gronda in Ischgl ist sie in großer Zahl heimisch.
© Michael Thalinger

Innsbruck – Viele Jahre lang war der Piz Val Gronda in Ischgl Zankapfel von Umweltschützern und Seilbahnern. Nun ist der umstrittene Berg um eine botanische Sensation reicher. Auf der Westseite konnten Innsbrucker Wissenschafter nämlich vergangenen Herbst große Bestände der Schwarzroten Segge nachweisen.

Was Laien zunächst nichts sagt, ist für Professor Peter Schönswetter, Leiter des Instituts für Botanik an der Universität Innsbruck, etwas Besonderes, wie er in einem Newsletter der Landesumweltanwaltschaft Tirol erklärt. Die Pflanze gehöre zu einem Vegetationstyp, der von der EU prioritär geschützt wird.

Die einzigen Nachweise in Tirol gibt es im Dabertal in Osttirol. Dort gibt es aber nur zehn Individuen. Das mit Abstand größte Vorkommen Österreichs, wenn nicht sogar der Ostalpen, sei damit in Ischgl entdeckt worden.

Es war ein Zufallsfund, betont Schönswetter, denn eigentlich war er mit einem Kollegen auf der Suche nach der ebenfalls seltenen Gletscher-Segge.

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Eine Überraschung war die Entdeckung auch, weil man sich den Piz Val Gronda im Zuge des Genehmigungsverfahrens für die skitechnische Erschließung sehr genau angeschaut hatte, so Schönswetter. Entdeckt habe man die Pflanze außerhalb der Lifttrasse. Am botanisch wertvollen Nordkamm des Piz Val Gronda konnten die Wissenschafter kaum Auswirkungen des Skibetriebs auf die Botanik ausmachen.

Ein größeres Problem für die Pflanzen sei die Beweidung mit Kühen. Die Bestände seien besorgniserregend zertrampelt. Schönswetter plädiert für einen Weideausschluss, damit könnten die Bestände geschützt werden. „Es wäre ein schönes Signal aus dem Paznaun, wenn man das schützen würde“, so Landesumweltanwalt Johannes Kostenzer.

Günther Zangerl, Vorstand der Ischgler Silvrettabahn, hat noch nichts von der Entdeckung gehört. „Eine Weidefreistellung geht nur mit Einbeziehung des Grundeigentümers“, der Bahn gehöre dort nichts. Man müsste sich anschauen, wo die entsprechenden Flächen liegen. (mr)


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