CEO der Roche Group: Digitalisierung als Chance für das Gesundheitssystem

Der Tiroler Severin Schwan, CEO des Pharmakonzerns Roche, im MCI-Livetalk mit MCI-Rektor Andreas Altmann über das Potenzial der Digitalisierung in der Gesundheitsbranche.

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MCI-Rektor Andreas Altmann sprach mit Roche-Chef Severin Schwan im Livetalk über Digitalisierung in der Gesundheitsbranche.
© MCI/Kiechl

Innsbruck – Seit 1993 ist der Tiroler Severin Schwan bei dem Schweizer Pharmakonzern ‚Roche Group‘ tätig, seit 2008 ist er Chef des Global Players. Die Kernstrategie von Roche basiere auf zwei Elementen, erklärte der bestbezahlte europäische Manager im MCI-Livetalk mit MCI-Rektor Andreas Altmann: Pharmaprodukte und deren Handel sowie Diagnostik. Dabei fokussiere sich Roche auf personalisierte Medizin bzw. Behandlung, um Nebeneffekte so gering wie möglich zu halten.

Gerade Covid-19 habe aufgezeigt, dass die Gesundheitsbranche bei der Digitalisierung noch hinterherhinke. Die Lösung dazu lautet laut Schwan „Real World Data in klinischen Versuchen“. Dabei gelte es zwischen identifizierbaren Daten, wie sie im Onlinehandel verwendet werden, und nicht-identifizierbaren Daten, die nicht auf bestimmte Personen zurückzuführen sind, zu differenzieren. Letztere kommen in der Pharmaindustrie zum Einsatz. „Der Datenschutz ist in diesem Bereich ja auch viel regulierter als im Konsumentenbereich“, erklärt Schwan.

Österreich sieht Schwan in der Digitalisierung des Gesundheitssystems in einer guten Ausgangslage. Als Beispiel nennt Schwan die Elektronische Gesundheitsakte (ELGA). Anhand der zentral zugänglichen Daten hätten Risikogruppen identifiziert, benachrichtigt und auch für Impfungen vorgezogen werden können. Verbesserungspotenziale sieht Schwan in der administrativen Handhabung von Daten.

Gerade im Bereich der Grundlagenforschung sieht Schwan das meiste Potenzial für Investitionen. Gerade Hochschulen und Universitäten haben das Potenzial, Forschungsprojekte über einen langen Zeitrahmen anzulegen. Weiters entstehen rund um die akademische Bildung Hubs, wo die Industrie Talente findet. Europa hinke hier noch hinterher. Dabei wäre es wichtig, auf diesen Zug aufzuspringen, damit, anders als bei den globalen Tech-Unternehmen wie Google oder Alibaba, europäische ethische Werte einfließen können. Der erfolgreiche CEO hat noch einen Tipp für Studierende und Berufseinsteiger im Ärmel. „Seid neugierig und offen für Neues“, sind Schwans Tipps für all diejenigen, die in einem internationalen Unternehmen Erfolg haben wollen.

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Nach dem Studium der Wirtschafts- und Rechtswissenschaften an den Universitäten Innsbruck, York und Oxford begann der promovierte Jurist Severin Schwan 1993 seine berufliche Laufbahn in der Finanzabteilung von Roche. Neben seiner Vorstandstätigkeit bei Roche ist Schwan Mitglied des Verwaltungsrats der Credit Suisse, Vizepräsident des internationalen Pharmaverbands IFPMA und Mitglied des Beirats des Bürgermeisters von Shanghai. (TT)


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