Bier von der Bar, Bass aus der Box: Offene Fragen nach illegaler Corona-Party in Ampass

200 Menschen feierten Samstagabend ausgelassen am Innufer bei Ampass. Als die Polizei einschritt, flohen die meisten Partygäste, lediglich acht wurden angezeigt.

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Die Feiernden waren gut ausgerüstet. Liegestühle und eine kleine Bar gab es ebenso wie ein DJ-Pult aus Holz.
© ZOOM.Tirol

Von Benedikt Mair

Ampass – Es ist ein lauer Abend, der erste richtige in diesem Jahr. An einer kleinen Lichtung am südlichen Innufer unweit der Peerhöfe ist die Stimmung ausgelassen. Menschen trinken Alkohol, Musik wird gespielt, dazu getanzt. Liege- und Campingstühle sind aufgestellt, an Bäumen hängen Müllsäcke, jemand hat eine kleine Bar und ein DJ-Pult aus Holz gebaut. Rund 200 Menschen feiern am Samstag in Ampass. Bis die Exekutive gegen 22 Uhr einschreitet.

„Zehn Streifen mit insgesamt 20 Beamten trafen am Einsatzort ein“, sagt Martin Mayr, Kommandant der Polizeiinspektion Hall. Die Party war in vollem Gange, immer mehr Leute stießen dazu. „Dieser Zustrom wurde unterbrochen“, meint Mayr. Viele Teilnehmer ergriffen die Flucht – meist zu Fuß, durch die Büsche, aber auch mit ihren Fahrrädern. „Acht Gäste wurden angezeigt“, unter anderem wegen Verstößen gegen das Covid-Maßnahmengesetz, berichtet Mayr. Jene, die angehalten und kontrolliert wurden, davon einige stark alkoholisiert, hätten sich einsichtig und kooperativ gezeigt und nach Aufforderung den Platz am Inn verlassen.

Und ließen – außer Abfall – auch Teile ihrer Party-Ausrüstung zurück. Nebst einer Bassbox und einem Stromaggregat wurde von der Polizei auch ein hochwertiger Akkuschrauber sichergestellt. Die Gegenstände werden auf der Dienststelle in Hall verwahrt.

Zurückgelassen wurden außerdem ein Stromaggregat, eine Bassbox und ein Akkuschrauber und sehr viel Müll.
© ZOOM.Tirol/Polizei

Nachdem die Exekutive den Einsatz bei der Feier am Innufer gestern Vormittag publik machte, meldet sich der für Sicherheit und Gesundheit zuständige Innsbrucker Vizebürgermeister Johannes Anzengruber zu Wort. „Ich habe absolut kein Verständnis für Mega-Partys wie jene in der Nacht zum Sonntag an der Stadtgrenze zu Innsbruck“, erklärt Anzengruber. „Solche unvorsichtigen Aktionen können blitzartig die Corona-Inzidenzzahlen nach oben treiben und gefährden somit auf lokaler Ebene die von uns allen gewünschten Öffnungen.“

Noch viele Fragen offen

Elmar Rizzoli, Leiter des Corona-Einsatzstabes des Landes Tirol, erklärt, dass „solche Veranstaltungen, bei denen unrechtmäßig und unkontrolliert viele Menschen zusammenkommen, durchaus schlimme Folgen haben können und relativ große Cluster verursachen“. Laut Rizzoli ist nämlich davon auszugehen, dass bei derlei Treffen Alkohol getrunken, das Abstandhalten deshalb leichter ignoriert werde und eine Ansteckung mit dem Virus wahrscheinlicher sei. Auch in der Kontaktnachverfolgung ergäben sich Schwierigkeiten, „weil wir ja nicht immer wissen, wer da vor Ort war“. Dabei komme es immer auch auf die Erhebungen der Exekutive an.

So wie bei der Feier am Inn in Ampass. Vieles ist noch offen, sagt der Kommandant der Haller Polizeiinspektion, Martin Mayr. Es sei beispielsweise unbekannt, wer die Party ausgerichtet habe. Studenten? Vereinsmitglieder? Ein größerer Freundeskreis? „Wir wissen es nicht. Ebenso kennen wir den Besitzer der beschlagnahmten Gegenstände nicht. Es hat sich noch niemand gemeldet.“ Und wie konnten sich die 200 Partygäste organisieren? Über das Internet? Oder Mundpropaganda? Auch hier „laufen derzeit die Ermittlungen noch“, erklärt Mayr.


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