Von Licht durchpulste Räume: Retrospektive im Innsbrucker Stadtarchiv

Wilfried Krischl im Innsbrucker Stadtarchiv: Retrospektive zum elften Todestag.

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Das „Insellicht“ von Tinos, 1989 von Wilfried Kirschl eingefangen.
© Plattner

Von Edith Schlocker

Innsbruck – Die Ausstellung ist eines der vielen Corona-Opfer in der Kunstszene. Hätte sie doch bereits vor einem Jahr anlässlich des zehnten Todestags des charismatischen Tiroler Künstlers und Egger-Lienz-Biografen inklusive der Präsentation der Monografie über sein malerisches Werk stattfinden sollen. Das Buch gibt es bereits seit einem Jahr, die Ausstellung wird nun „nachgeliefert“.

Kuratiert hat sie mit Carl Kraus – einem der Mitherausgeber des Buches – ein exzellenter Kenner des Kirschl’schen Werks. „Lichträume“ nennt er die Schau, die einen exquisiten Querschnitt durch ein Werk zeigt, in dem die Wirklichkeit als delikates Spiel abstrakter Formen inszeniert ist. Egal, ob der Mensch, die Landschaft oder das Stillleben das Motiv war. Wobei letztlich alles zur puren, von Licht durchpulsten Malerei wird, durchdekliniert in sämtlichen Varianten rund um die Nicht-Farbe Weiß.

Neben diesen Arbeiten, mit denen Kirschl in die Tiroler Kunstgeschichte eingezogen ist, zeigt die Schau aber auch Bilder des ganz jungen, noch nach seiner eigenen Handschrift suchenden Künstlers. In einer Vitrine liegen Objekte aus der Kirschl’schen Sammlung, die da und dort in den Bildern wieder auftauchen. Aber auch der fotografierende oder von anderen etwa beim Malen auf einer griechischen Insel fotografierte Künstler begegnet dem Besucher der Schau. Genauso wie Bilder von Malerfreunden wie Norbert Drexel oder Sepp Orgler. Besonders berührend ist ein kleines „Blumenkabinett“, das Carl Kraus als Schau in der Schau eingerichtet hat. Bestückt u. a. mit Arbeiten von Max Weiler, Gerhild Diesner und Hilde Nöbl sowie einem besonders schönen Blumenbild von Kirschls langjähriger Gefährtin Jutta Katharina Kiechl.

Im Juni wird ein Großteil der Schau nach Schloss Bruck bei Lienz übersiedeln.

📍 Stadtarchiv. Badgasse 2, Innsbruck; bis 28. Mai, Mo–Do 9–17 Uhr, Fr 9–13 Uhr, 8. Mai 10–14 Uhr.


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