„Gemeindeschmiede“ soll junge Politiker gewinnen: „Wer, wenn nicht sie?“

Knapp drei Viertel der Tiroler Bürgermeister sind älter als 50 Jahre. Um junge Menschen für die Kommunalpolitik zu begeistern, wurde die Initiative „Gemeindeschmiede“ gegründet.

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Land, Gemeindeverband und GemNova wollen Tirolerinnen und Tiroler im Alter zwischen 15 und 30 Jahren für die politische Arbeit in ihren Heimatorten gewinnen.
© Böhm

Von Benedikt Mair

Wattens, Kauns – Matthias Schranz ist 34 Jahre alt, als Diplomierter Gesundheits- und Krankenpfleger derzeit Bereichsleiter zweier Chirurgie-Stationen im Krankenhaus Zams und einer der jüngsten Bürgermeister in Tirol. Seit Oktober 2017 steht Schranz dem 500-Einwohner-Ort Kauns im Bezirk Landeck vor. „Mit 24 Jahren bin ich in die Gemeindepolitik gegangen, war vorher schon bei Jungbauernschaft und Landjugend aktiv. Ich war schon immer im Gestalten tätig. Und habe meinen Weg nie bereut“, sagt er.

Nicht viele junge Menschen haben es so wie der Oberländer gemacht. In der heimischen Kommunalpolitik gibt es Nachwuchssorgen. Mehr als 200 der 279 Bürgermeister, etwa drei Viertel, sind älter als 50 Jahre. Deshalb haben Gemeindeverband, GemNova und Land die Initiative „Gemeindeschmiede“ ersonnen, mit der Tirolerinnen und Tiroler im Alter zwischen 15 und 30 Jahren für die politische Arbeit in ihren Heimatorten gewonnen werden sollen. Gestern wurde das Projekt in Wattens vorgestellt.

Ausbildung und Austausch in Gruppen

Ab dem 2. Juni finden in allen Bezirken Auftaktveranstaltungen statt, bei denen sich junge, für die Arbeit in der Politik offene Männer und Frauen mit erfahrenen Gemeinderäten, Bürgermeistern oder Landtagsabgeordneten austauschen. In weiterer Folge soll für Interessierte eine Ausbildung organisiert werden, bei der alles Wissenswerte rund um Organisation und Funktion der Kommunen vermittelt wird. Schließlich sollen sich daraus Gruppen bilden, die sich regelmäßig treffen.

„Im Vereinsleben vieler Orte gibt es quer durch Engagement von unter 30-Jährigen auch in Führungspositionen“, sagte Ernst Schöpf, Präsident des Tiroler Gemeindeverbandes. „Wieso sollen wir die also nicht abholen?“ Die Tätigkeit für die Menschen im direkten persönlichen Umfeld sei eine „hochinteressante und spannende Aufgabe“, für die auch vermehrt wieder Junge begeistert werden sollen.

Das sei machbar, betonte Johannes Tratter, als Landesrat zuständig für Gemeindeagenden. Wenngleich er schon auch bemerkt habe, dass Heranwachsende „für einzelne Projekte eher motiviert werden können als für Arbeit über einen längeren Zeitraum. Es ist ein parteiübergreifendes Angebot“, war es Tratter wichtig anzumerken. Demokratie lebe von vielen verschiedenen Gruppierungen, die ihre Ideen einbringen.

Image aufbessern: Politik als „sehr sinnerfüllende Aufgabe“

Thomas Oberbeirsteiner, Bürgermeister von Wattens, nannte den Versuch, junge Menschen von der Betätigung in den Gemeinden zu überzeugen, „dringend notwendig“. Der fehlende Nachwuchs habe ihm Sorgen bereitet. „Nicht nur um den eigenen Ort, sondern das ganze Land. Wir müssen alles daran setzen, das Image der Politik aufzubessern.“ Denn es sei, alles in allem, eine „sehr sinnerfüllende Aufgabe“.

Eine Werbeaktion und alle Probleme sind vom Tisch? „Es ist zumindest der berühmte erste Schritt“, sagte Gemeindeverbands-Präsident Schöpf. „Ich gehe aber nicht davon aus, dass wir bei den Gemeindewahlen im kommenden Februar 150 neue Bürgermeisterkandidaten haben werden. Je mehr Junge es sind, desto größer die Freude.“ Und wenn die Maßnahme Erfolg zeige, soll sie – so die Vorstellung der Verantwortlichen – in regelmäßigen Abständen wiederholt werden.

Laut dem Ortschef von Kauns, Matthias Schranz, ist in der Kommunalpolitik vor allem eine „gesunde Mischung aus Alt und Jung wichtig. Damit das bereits Gewachsene weiterwachsen kann, aber Dinge auch neu gedacht werden.“ Das Amt des Bürgermeisters sei mit viel Verantwortung verbunden, jederzeit könne ein wichtiger Anruf eingehen, das Gehalt dafür sei durchschnittlich. „Schöne Momente gibt es natürlich auch, es sind meist die kleinen, etwa wenn dem 80-Jährigen zum Geburtstag oder frischgebackenen Eltern zum Familienzuwachs gratuliert werden kann.“ Schranz rät jungen Menschen, sich solchen Aufgaben zu stellen. „Hier haben sie die beste Möglichkeit, die eigene Zukunft zu gestalten. Wer, wenn nicht sie, kann das tun?“


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