Neuerfinden in alten Formen: Christoph W. Bauer hält Poetikvorlesung

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Christoph W. Bauer öffnet seine Schreibwerkstatt – Corona-bedingt als Livestream.
© Böhm

Innsbruck – Für seine Lyrik- und Prosaarbeiten wurde Christoph W. Bauer vielfach ausgezeichnet. Im Rahmen der traditionellen Poetikvorlesung der Universität Innsbruck ermöglicht der Tiroler Schriftsteller heute und morgen Einblicke in seine Schreibwerkstatt. Corona-bedingt werden sowohl die von Ulrike Tanzer (Brenner-Archiv) und Anna Rottensteiner (Literaturhaus am Inn) moderierte Eröffnungslesung heute Abend als auch die beiden Vorlesungen morgen online übertragen.

Diese neuen Bedingungen seien eine zusätzliche Herausforderung, sagt Bauer. Bei Lesungen und Workshops sei ihm der direkte Kontakt mit dem Publikum sehr wichtig. „Es ist fordernd, allein vor der Kamera und ganz ohne Reaktionen der Zuhörenden die notwendige Konzentration zu halten“, erklärt er. „Mit tradierten Formen Neues sagen“, so hat Bauer seine Vorlesung überschrieben. Er will damit seinen literarischen Ansatz zur Sprache bringen. Und ihn dadurch in Frage stellen. „Meine Arbeit ist ein permanentes Infragestellen, insofern muss ich auch meinen Ansatz in der Rückschau und im Blick nach vorne immer neu befragen“, sagt er. Die antike Literatur, vor allem Catull, sei in den vergangenen Jahren für seine Arbeit immer wichtiger geworden. „In der Vorlesung will ich auch nachzeichnen, wie Catulls Verse oder die von Guido Cavalcanti in meine fließen – und wie etablierte Formen meinen Versuchen, Neues und ganz Gegenwärtiges auszudrücken, Struktur geben können“, sagt Bauer.

Der Weg zu seinem Schreiben sei eng mit seiner Biografie als Leser verbunden, erklärt er. „Dort, wo ich groß wurde, waren vorne Berge, hinten Berge und links und rechts auch. Mit Büchern bin ich woanders hingekommen. Mein Schreiben lässt sich nicht vom Lesen lösen – und von den Dichtern, die mir mit ihren Texten eine andere Welt eröffneten“, sagt Bauer. Georg Trakl etwa hat ihn früh fasziniert. Später wurde Erich Fried zur wichtigen Bezugsfigur. Von Fried, dessen Geburt sich heuer zum 100. Mal jährt, könne man viel über die Verwendung sprachlicher Stilmittel lernen, sagt Bauer. Schließlich seien es aber Autoren aus Lateinamerika, vor allem der mexikanische Nobelpreisträger Octavio Paz und der Argentinier Jorge Luis Borges, gewesen, die zu engen Begleitern wurden: „Ich wollte lesen, was sie gelesen haben, und schreibend mit ihnen ins Gespräch kommen.“ (jole)

💬 Innsbrucker Poetikvorlesung: „Mit tradierten Formen Neues sagen“. Virtuelle Eröffnungslesung, heute Dienstag, 19 Uhr. Vorlesung: Mittwoch, 11–13 und 16–18 Uhr. www.literaturhaus-am-inn.at

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