Neue Qualitätsstandards: Regierung fördert heimische Kalbfleisch-Produktion

Im Jahr 2018 importierte Österreich mehr als doppelt so viel Kalbfleisch wie österreichische Kälber exportiert wurden. Die Regierung will dem einen Riegel vorschieben.

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In Österreich gibt es mehr als 56.000 rinderhaltende Betriebe.
© APA/BARBARA GINDL

Wien – Wer in Österreich ein Kalbsschnitzel isst, beißt selten auf ein heimisches Stück. Knapp jedes dritte Kalb wird in Europa in den Niederlanden gemästet und geschlachtet, der Grund ist der günstige Preis. Im Jahr 2018 importierte Österreich mehr als doppelt so viel Kalbfleisch wie österreichische Kälber exportiert wurden. Die Regierung will dem einen Riegel vorschieben und die heimische Kalbfleisch-Produktion mit mehr Geld und einer besseren Vermarktung unterstützen.

"Wer heimisches Kalbfleisch kauft, der trägt zur Reduktion von Kälbertransporten bei. Es ist nicht notwendig, dass so viel Billig-Kalbfleisch aus dem Ausland importiert wird. Die Konsumenten sollen rot-weiß-roten Produkten den Vorrang geben", sagte Landwirtschaftsministerin Elisabeth Köstinger (ÖVP) am Dienstag laut einer Aussendung.

Anträge auf Förderungen spätestens ab Herbst möglich

Die Qualitätsstandards "Vollmilchkalb" und "Kalb rosé" wurden in das AMA-Gütesiegel aufgenommen. In den nächsten Jahren sollen 10.000 Kälber über diese Qualitätsschienen vermarktet werden. Zudem wird die bestehende Förderung für die Erzeugung von Qualitätsrindfleisch auf die Kälbermast ausgeweitet. Das Programm wurde auf 7 Mio. Euro pro Jahr aufgestockt. Förderungen können spätestens ab Herbst beantragt werden. Kleinere Betriebe mit fünf bis 20 vermarkteten Kälbern sollen pro Jahr rund 1000 Euro an zusätzlichen Förderungen bekommen.

"Ein Ziel des Tierwohlpaktes ist, die finanzielle Attraktivität der Mast von Milchkälbern auf ihren Heimbetrieben wieder zu steigern, um so Tiertransporte zu reduzieren", sagte Salzburgs Agrarlandesrat Josef Schwaiger (ÖVP).

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Kennzeichnungspflicht für die Gastronomie noch offen

Im Gegensatz zu ihrem Regierungspartner der Grünen will die ÖVP allerdings keine verpflichtende Fleisch-Herkunftskennzeichnung in der Gastronomie einführen, sondern hier auf Freiwilligkeit setzen. Die Grünen sehen ihren Wunsch nach einer Pflicht-Herkunftskennzeichnung, den der mittlerweile aus der Politik ausgeschiedene frühere Konsumentenschutzminister Rudolf Anschober erst kürzlich in einen Verordnungsentwurf gegossen hat, mit dem Koalitionsabkommen gedeckt. Die ÖVP hingegen nicht. Die Kennzeichnungspflicht für die Gastronomie sei bewusst als freiwillige Maßnahme vereinbart worden, so Köstinger zuletzt zur APA.

In Österreich gibt es mehr als 56.000 rinderhaltende Betriebe. Seit dem Jahr 2000 hat sich der Anteil von geschlachteten Kälbern in Österreich fast halbiert. Waren es damals noch rund 105.000 Stück, so sind es 2019 nur noch rund 55.000 gewesen. (APA)


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