7,6 Mio. für Wirtschaft und Arbeitsmarkt: Landesregierung präsentierte Paket

In den Arbeitsmarkt werden 5,6 Mio. Euro investiert, zwei Millionen fließen in Initiativen für den Wirtschaftsstandort Tirol. Es sei „ein Kraftakt", an das Vorkrisenniveau anzuschließen, sagte Wirtschaftslandesrätin Zoller-Frischauf bei der Vorstellung des Pakets am Dienstag.

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Wirtschaftslandesrätin Patrizia Zoller-Frischauf, LH Günther Platter (beide ÖVP), LHStv Ingrid Felipe (Grüne) und die für die Arbeitsmarktagenden zuständige Landesrätin Beate Palfrader (ÖVP) bei der Pressekonferenz am Dienstag.
© Land Tirol/Berger

Innsbruck – Die schwarz-grüne Tiroler Landesregierung hat zur Förderung des Wirtschaftsstandortes und des Arbeitsmarktes ein 7,6 Mio. Euro schweres Maßnahmenpaket geschnürt. Bei dem „Wirtschafts- und Arbeitsmarktpaket für Tirol" handle es sich um einen „Umsetzungsbeschluss im Rahmen bestehender Maßnahmen", sagte LH Günther Platter (ÖVP) bei einer Pressekonferenz im Landhaus am Dienstag.

Zwei Mio. Euro sollen dem Wirtschaftsstandort in Form dreier konkreter Initiativen in den Bereichen Internationalisierung, Digitalisierung und Neugründungen zu Gute kommen, 5,6 Mio. Euro werden in den Arbeitsmarkt investiert, wobei Stiftungen und der Arbeitsmarktförderungs-GmbH AMG eine zentrale Rolle zukommt.

Förderung erstmals für kleine und mittlere Tourismusbetriebe

Die Coronapandemie habe sich „massiv" auf den Wirtschaftsstandort Tirol ausgewirkt, wobei Branchen unterschiedlich stark betroffen seien, erklärte Platter. Wirtschaftslandesrätin Patrizia Zoller-Frischauf (ÖVP) erinnerte daran, dass zwar eine „herausfordernde Zeit hinter uns, aber auch vor uns liegt". Es sei „ein Kraftakt", an das Vorkrisenniveau anzuschließen.

Überblick

Bereich Wirtschaft (2 Mio. Euro):

• Tiroler Internationalisierungsförderung: 1 Mio. Euro

• Digital-Lotsen: 500.000 Euro

• GründerInnen-Paket: 500.000 Euro

Bereich Arbeitsmarkt (5,6 Mio. Euro):

• Pflegestiftung: 650.000 Euro

• Insolvenzstiftung-Neu: 2,5 Mio. Euro

• Begabtenförderung für Lehrlinge: 140.000 Euro

• Koordinationsarbeit der amg-tirol: 250.000 Euro

• ESF-Strategie 2021 bis 2027 (Europäischer Sozialfonds): 1,9 Mio. Euro

• Kampagne zu kurzfristigem Maßnahmenpaket und bereits bestehenden Angeboten der Arbeitsmarktförderung: 150.000 Euro

Zunächst soll der Internationalisierungsförderungsfond erneuert werden. Künftig solle es „sowohl mehr Förderungsnehmer als auch mehr Maßnahmen geben", um die Wettbewerbsfähigkeit der Tiroler Wirtschaftstreibenden zu stärken. Erstmals werde die Förderung nun auf kleine und mittlere Tourismusbetriebe ausgeweitet. Auch Kosten im Bereich von digitalen Medien können künftig gefördert werden. Für die Tiroler Tourismusförderung werde zusätzlich eine Million Euro zur Verfügung gestellt.

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„Digital-Lotsen“ sollen Geschäfte beraten

Die bereits vor der Pandemie als Pilotprojekt in Hall, Imst, Sankt Johann und Kufstein gestartete Initiative „digital.tirol“ soll nun auf das gesamte Bundesland ausgerollt werden, kündigte Zoller-Frischauf an. Dass es im Bereich E-Commerce und digitalen Angeboten vor allem bei „kleinstrukturierten Unternehmen Nachholbedarf“ gebe, habe sich während der Pandemie gezeigt. „Digital-Lotsen“ sollen künftig 1500 bis 2000 Geschäfte im Hinblick auf ihre Digitalstrategie beraten.

Eine halbe Mio. Euro sollen auch in den Bereich Gründungen fließen. Pro Jahr würden tirolweit 3000 neue Unternehmen gegründet, davon 20 Startups. Die neue Initiative richte sich an die weitaus größere Gruppe der über 100 innovativen Gründungen pro Jahr, die im Gegensatz zu Start-ups in etablierten Märkten neue Produkte, Dienstleistungen oder Geschäftsmodelle gründen. Ziel sei es, jene Unternehmen nicht nur bis zur Gründung sondern in einem mehrphasigen Prozess auch darüber hinaus zu begleiten.

Vier konkrete Vorhaben im Bereich Arbeitsmarktpolitik

Die durch Corona stark gestiegene Arbeitslosigkeit gehe aktuell wieder zurück, was sehr erfreulich sei, berichtete unterdessen der Landeshauptmann. Insgesamt weise sie aber noch ein hohes Niveau auf. Die für Arbeitsagenden zuständige Landesrätin Beate Palfrader (ÖVP) präsentierte vier konkrete Vorhaben im Bereich Arbeitsmarktpolitik.

Man wolle einerseits in Stiftungen investieren: Teilnehmer der 2002 ins Leben gerufenen Pflegestiftung würden nun mit einem zusätzlichen monatlichen Bildungsbonus in der Höhe von 120 Euro ausgestattet, jeweils 300 zusätzliche Plätze seien für die Insolvenzstiftung Neu in den Jahren 2021 und 2021 vorgesehen. „Wir erwarten einen Anstieg an Firmenpleiten mit dem Ende der Unterstützungsmaßnahmen“, erklärte Palfrader.

Zudem wolle man die Begabtenförderung für Lehrlinge auch auf das erste Lehrjahr ausweiten und um 140.000 Euro aufstocken. Gemeinsam mit der Arbeitsmarktförderungs-GmbH AMG werde man Rahmenbedingungen erarbeiten, die die Rückkehr in den Arbeitsmarkt erleichtern sollen, außerdem wolle man eine Kampagne zu Maßnahmen für den Arbeitsmarkt starten, um einen „niederschwelligen Zugang“ zu den Möglichkeiten zu ermöglichen.

ÖGB erneuert Forderung nach drittem Konjunkturpaket

LH-Stv. Ingrid Felipe (Grüne) war der Meinung, dass es „ein entschlossenes, parteiübergreifendes Handeln“ zur Bewältigung der Krise brauche. Das beschlossene Wirtschafts- und Konjunkturpaket trage zur „Weiterentwicklung, Qualifizierung und Transformation“ der Arbeitnehmer bei und mache Menschen und Unternehmen „fit für die Zukunft“.

ÖGB-Vorsitzender Philip Wohlgemuth begrüßte in einer Aussendung das vom Land Tirol präsentierte Paket, erneuerte aber zudem seine Forderung nach einem dritten Konjunkturpaket. Ferner regte Wohlgemuth die Schaffung eines Notausbildungsfonds für kleinere Betriebe an, damit jene auch weiterhin Lehrlinge aufnehmen können. (TT.com, APA)


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