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TT-Analyse: Rosalie steht für viele Kinder mit Behinderung

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Nicole Strozzi

ANALYSE

Von Nicole Strozzi

Dass es sich lohnt, nicht aufzugeben, beweist die Geschichte von Rosalie. Die Eltern des schwerbehinderten Mädchens wollen ihre Tochter daheim pflegen. Seit Jahren kämpfen sie gemeinsam mit helfenden Händen nicht nur um angemessenes Pflegegeld, sondern auch um Pflegeentlastung. Unzählige Stunden verbrachte die Mutter am Telefon, schlug sich durch einen bürokratischen Dschungel. Bis dato gab es in Tirol kein adäquates Entlastungsangebot für Familien mit chronisch pflegebedürftigen Kindern.

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Mit ihrer Geschichte gingen Rosalies Eltern an die Öffentlichkeit. Seit dem Bericht in der Tiroler Tageszeitung hat sich einiges getan. Ab Mai wird eine außerklinische Pflegeorganisation namens Curaplus als Drehscheibe in Tirol fungieren und Familien mit schwerbehinderten Kindern helfen. Rosalie hat etwas geschafft, was leider nicht allen Menschen mit Behinderung zuteil wird. Sie wurde gesehen. Die Dreijährige steht stellvertretend für all jene Familien, die gegen Windmühlen kämpfen.

Nach wie vor haben Kinder mit schwerer Behinderung keine Lobby hinter sich. In ganz Österreich gibt es kaum entsprechende Einrichtungen oder Reha-Möglichkeiten. Nach wie vor opfern sich Eltern auf, um die Familie aufrechtzuerhalten. Verzichten auf Urlaub, auf Freizeit, auf Schlaf, auf Zeit mit dem Partner. Sie arbeiten rund um die Uhr, Tag für Tag, das heißt Hunderte Stunden Pflege pro Monat. Mindestens ein Elternteil muss meist darauf verzichten, einem Job nachzugehen. Mehr als drei Monate Pflegekarenz werden den Eltern nicht gewährt. Vor allem Frauen laufen Gefahr, in die Arbeitslosigkeit abzurutschen.

Doch Mamas und Papas tun alles aus Liebe. Aber irgendwann geht ihnen die Luft aus. Warum muss es ein ständiger Kampf sein? Warum wird Pflege noch immer nicht richtig wertgeschätzt? Warum kann Inklusion nicht einfacher funktionieren? Die Einrichtung einer zentralen Anlaufstelle ist ein wunderbarer Anfang. Doch es gibt noch viel zu tun. Noch viele Menschen wollen gesehen werden.


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