Studien machen Hoffnung: Schon erste Teilimpfung verringert Infektiosität

Mit der fortschreitenden Durchimpfung und neuen Daten zur Schutzwirkung werden auch die Lockerungspläne in Österreich und europaweit konkreter. Ein Gesetz zur Gleichstellung von Getesteten und Geimpften kommt, der Grüne Pass war gestern Thema im EU-Parlament.

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Der momentan begehrteste Aufkleber Europas: das weiße Pickerl des Covid-19-Vakzins im Impfpass.
© Thomas Böhm

Wien, Brüssel – Schritt für Schritt nähern sich zumindest die Ankündigungen so etwas wie einer Normalität an. Mit der fortschreitenden Durchimpfung und neuen Daten zur Schutzwirkung der Immunisierung werden auch die Lockerungspläne in Österreich und europaweit konkreter.

1) Testpflicht für Geimpfte fällt. Mit der Öffnung von Kulturbetrieb und Gastronomie dürfte Mitte Mai die Testpflicht für Personen mit Covid-19-Immunisierung fallen. Diese Gleichstellung von Getesteten und Geimpften könnte kommenden Montag in einer Sondersitzung des Nationalrats beschlossen werden. Der Wermutstropfen: Wer dann als geimpft gilt, ist noch nicht geklärt, sondern muss erst in einer Verordnung festgelegt werden: Ist von den Zutrittstests zu Friseur, Gastronomie und Opernbesuch nur befreit, wer bereits beide Teilimpfungen erhalten hat, oder auch schon jene, die erst eine Spritze erhielten, und wann nach dem ersten Stich? Bei AstraZeneca liegen ja zwischen erster und zweiter Teilimpfung immerhin fast drei Monate. In den deutschen Bundesländern Bayern und Hessen beispielsweise ist die Testfreistellung nur für vollständig Geimpfte geplant.

Wem nun in Österreich wann das Fremdbohren in der Nase erspart bleiben kann, wird der Gesundheitsminister nach Expertenberatungen festlegen. Und dazu könnten ihm auch neueste Daten und Studien wie folgende dienen.

2) Geimpfte weniger ansteckend. Schon die erste Teilimpfung mit BioNTech/Pfizer oder AstraZeneca verringert die Weitergabe des Virus an die Umgebung. Das hat eine britische Untersuchung von Personen ergeben, die sich drei Wochen nach der Erstimpfung mit den Vakzinen von BioNTech/Pfizer oder AstraZeneca mit SARS-CoV-2 infiziert hatten. Die bereits Geimpften steckten der Auswertung zufolge deutlich seltener Angehörige ihres eigenen Haushalts an: Das Risiko war um 38 bis 49 Prozent niedriger als in Haushalten von nicht-geimpften Infizierten. Die Auswertung von Public Health England liefert Hinweise darauf, dass die Impfstoffe wohl nicht nur vor schweren Covid-19-Erkrankungen schützen, sondern eben auch das Risiko einer Übertragung auf andere reduzieren.

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3) Eigenschutz nach erster Teilimpfung. Eine schottische Studie wiederum hat gezeigt, dass schon die einmalige Verabreichung der Impfstoffe von BioNTech und AstraZeneca zu einer deutlichen Verringerung des Risikos einer Covid-19-bedingten Hospitalisierung beitragen. Für beide Vakzine zusammen ergab sich in der zweiten Woche nach der Erstimpfung eine Reduktion der Spitalsaufnahmen um 47 Prozent, nach 14 bis 20 Tagen um 60 Prozent, nach 21 bis 27 Tagen um 70 und nach 28 bis 34 Tagen um 84 Prozent, erklärte der Wiener Reisemediziner Herwig Kollaritsch am Dienstag bei einer Online-Veranstaltung. Eine israelische Untersuchung ergab Ähnliches.

4) Grüner EU-Impfpass. Jenes digitale EU-Dokument, das mit Sommerbeginn für einen möglichst unbeschwerten Reisesommer innerhalb der EU sorgen soll und vor allem von Tourismusländern wie Österreich forciert wird, war gestern Thema im Europaparlament. In dem geplanten Zertifikat sollen neben den Covid-Impfungen auch Testergebnisse und überstandene Infektionen vermerkt sein. In der Debatte pochten die Abgeordneten auf Datenschutz und auf freie oder kostengünstige Covid-19-Testmöglichkeiten, denn diese werden nicht überall, wie in Österreich, von der öffentlichen Hand finanziert. Die EU-Parlamentarier wollten am Abend über ihre Position zum „Digitalen Grünen Zertifikat“ abstimmen. Das Ergebnis wird heute bekannt gegeben. (sta)


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