Tirol hilft Tschernobyl-Kindern seit fast 30 Jahren

35 Jahre nach dem Reaktorunfall: Verein mit dem Arzt Ludwig Knabl weiterhin aktiv.

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Bei der Ferienaktion kamen bisher 3840 Tschernobylkinder nach Tirol. Der Verein mit Obmann Ludwig Knabl (r.) ist auf Spenden angewiesen.
© Wenzel

Fließ – Der Reaktorunfall von Tschernobyl vor 35 Jahren mit einer unbekannten Zahl an Todesopfern ist zum Medien-Ereignis geworden: Der ORF etwa hat dazu kürzlich die mit dem Golden Globe ausgezeichnete Serie „Chernobyl“ gezeigt. Doch abseits von Filmproduktionen leben nach wie vor Kinder in der radioaktiv verstrahlten Zone im Süden Weißrusslands. Sie sind von den Folgen des Unfalls bis heute betroffen.

„Sie haben ein schwaches Immunsystem, ihre Schilddrüsen und das Knochenmark sind geschädigt“, weiß der Fließer Arzt Ludwig Knabl, inzwischen längst ein Tschernobyl-Experte. Er ist Obmann des Vereins „Tirol hilft den Kindern von Tschernobyl“, der sich speziell um Kinder aus sechs Dörfern im Bezirk Rogatschov kümmert. Die Hilfsaktion begann 1992 in Pfunds, als unter schwierigsten Rahmenbedingungen erstmals Tschernobylkinder eintrafen, um einen vierwöchigen Erholungsurlaub zu verbringen. Das Immunsystem der Kleinen stabilisierte sich dank medizinischer Betreuung, guter Luft und gesunder Ernährung merklich.

Inzwischen fanden sich Dutzende Gasteltern in den Bezirken Landeck, Imst, Reutte und Innsbruck-Land, 28 Ferienaktionen wurden organisiert. Doch Corona hat die humanitäre Aktion voriges Jahr und heuer gestoppt.

„Aber wir haben die Kinder keinesfalls vergessen“, sagte Knabl. Man stehe in Kontakt mit den sechs Dörfern und helfe heuer mit Geldspenden. „Die Lehrer sind dort für alles rund um die Schulen zuständig. Auch wenn es um eine Renovierung geht.“

Wichtigstes Anliegen des Vereins sind freilich die Gesundheit und das Wohl der Kinder. Man unterstütze vor Ort auch die Pektin-Aktion, die zur radioaktiven Entgiftung des Körpers dient. „Die Böden und damit auch Lebensmittel wie Milch, Beeren oder Wildschweinfleisch sind mit Cäsium 137 und Strontium 90 um ein Vielfaches höher belastet als bei uns“, weiß der Experte, der oft mit dem Geigerzähler unterwegs ist.

Auch wenn Strahlenbelastung in Tirol ein Randthema zu sein scheint, stellt Knabl fest: „Es gibt Stellen, etwa am Piller Sattel, wo die Werte noch heute sehr hoch sind.“ (hwe)

Spendeninfos: www.tschernobylkinder-tirol.at


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