Missbrauchsprozess gegen Ehepaar in Kärnten vertagt

Der 67-jährige pensionierte Lehrer und die 57-jährige Frau sollen die zwei Töchter der Frau über zehn Jahre hinweg vergewaltigt und misshandelt haben. Zeugen, darunter der Bruder der Schwestern, sollen nichts von den Taten mitbekommen haben.

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Über zehn Jahre sollen die beiden Kinder von der Mutter und dem Stiefvater missbraucht worden sein.
© APA/dpa-Zentralbild

Klagenfurt – Am Donnerstag hat sich ein Ehepaar aus Oberkärnten wegen Vergewaltigung und sexuellen Missbrauchs vor dem Landesgericht Klagenfurt verantworten müssen. Dem 67-jährigen Mann, einem pensionierten Lehrer, und der 57-jährigen Frau wurde vorgeworfen, die eigenen Kinder über mehrere Jahre hinweg sexuell missbraucht zu haben. Der Prozess wurde vertagt.

Staatsanwältin Tanja Wohlgemuth warf dem Ehepaar vor, in einem Zeitraum von über zehn Jahren zwei inzwischen erwachsene Kinder, die aus einer vorangegangenen Ehe der Mutter stammen, sexuell missbraucht und vergewaltigt zu haben. Schon ab der frühen Kindheit der Schwestern soll der Stiefvater regelmäßig sexuelle Handlungen durchgeführt haben. Die Mutter soll dabei nicht eingeschritten sein und ebenfalls Gewalt gegen die Kinder angewendet haben. Der Verteidiger der Angeklagten gab an, dass es zwar aufgrund von unterschiedlichen Lebenseinstellungen Auseinandersetzungen mit den Töchtern gegeben habe, die Vergewaltigungs- und Missbrauchsvorwürfe wiesen sie aber zurück.

Ein psychologisches Gutachten wies bei beiden Töchtern posttraumatische Belastungsstörungen und Panikattacken nach, die aus einem Missbrauch resultieren könnten. Dass die psychischen Störungen durch andere Ereignisse ausgelöst wurden, wäre zwar möglich, "aber unwahrscheinlich", meinte die Sachverständige.

Zeugen gaben an, nichts von den Taten mitbekommen zu haben

Am Donnerstag wurden mehrere Zeugen einvernommen. So sagte etwa die Mutter der angeklagten Frau aus, keine Gewalt oder sexuellen Missbrauch der Eltern gegenüber den Kindern wahrgenommen zu haben. "Das wäre für meinen Schwiegersohn nicht gut ausgegangen", sagte sie. Auch der ältere Bruder der zwei Schwestern, das dritte Kind aus der geschiedenen Ehe, sagte, er habe nichts von sexuellen Handlungen mitbekommen. Wegen seines Umzugs in ein Internat war er laut eigenen Angaben in seiner Jugend weniger daheim, die Richtigkeit der Vorwürfe könne er sich aber trotzdem nicht vorstellen. Ein Ex-Freund einer der Schwestern meinte, er habe zum damaligen Zeitpunkt ebenfalls nichts wahrgenommen. Zwar habe seine Freundin ihm von einer Vergewaltigung in ihrer Kindheit erzählt, er habe dann aber nicht weiter nachgefragt.

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Die Verteidigung sah mehrere Gründe, die gegen die Vorwürfe sprechen würden. Zunächst sollen sich weitere Vergewaltigungsanschuldigungen der Schwestern gegen andere Personen als haltlos herausgestellt haben. Außerdem hätten sich einige Zeugen nicht auf eigene Erfahrungen, sondern nur auf Erzählungen der Opfer berufen können. Somit stünde es "Aussage gegen Aussage". Für die Verteidigung war das Motiv hinter den Anschuldigungen klar: Die Kinder wollten damit nur die Zukunft der Eltern verbauen. Die Schöffen-Verhandlung unter Vorsitz von Richter Gernot Kugi wurde schließlich auf unbestimmte Zeit vertagt. (APA)


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