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Das einzig Beständige ist die Veränderung

Sepp Reinstadler – der „Zirbensepp“ und Altbürgermeister von Jerzens – ist 70.

Segnung der Pitztal-Brücke im September 1983: BM Hans Eiter (Wenns), BM Alois Möderle (St. Leonhard), BM Sepp Reinstadler (Jerzens), Dekan Mons. Alfons Lorenz, LH Eduard Wallnöfer, BM Edgar Siegele (Arzl) und LHStv. Ernst Fili (von links) eröffnen die bis dato mit 169 Metern größte im Freivorbau errichtete Bogenbrücke Europas und starten damit ein neues Tourismuszeitalter für das Pitztal.

Politik, Landwirtschaft, Tourismus und das Sägewerk sind die vier bestimmenden Faktoren im Leben des Sepp Reinstadler. Der Einstieg in die Gemeindepolitik gelang ihm bereits 1974 als Gemeinderat. Die Gemeinderatswahlen 1980 ergaben für ihn eine Mandatsmehrheit und damit den logischen Bürgermeistersessel. Damals wurde der Bürgermeister vom Gemeinderat gewählt und nachdem seinem Vorgänger 3 Jahre bis zur Pensionsberechtigung fehlten, verzichtete er vorerst, war daher von 1980 bis 1983 Vizebürgermeister und wurde dann im Jahr 1983 zu einem der jüngsten Bürgermeister des Landes gewählt. Dieses Amt führte Sepp Reinstadler bis 2010 aus.

Jeweils 30 Jahre lang war er auch Obmann des Wirtschaftsbundes und ÖVP-Parteiobmann. Ein für die ÖVP legendäres Wahlergebnis fällt auch in seine Zeit: Bei den Landtagswahlen 1984 erreichte die ÖVP in Jerzens 92,4 % der Stimmen, der Zuwachs von 8,7 % war der höchste des Landes. Landeshauptmann Eduard Wallnöfer ließ sich eine persönliche Gratulation nicht nehmen.

Keine unnötigen Hürden

Der enorme Aufschwung, den die Gemeinde Jerzens während seiner Amtszeit erfahren hat, ist den vielen ehrgeizigen und arbeitsamen Gemeindebürgern und – wie Sepp Reinstadler betont – „nicht zuletzt den Jerzner Frauen zu verdanken“. Denn: „Zimmervermietung war Sache der Frauen. Sie haben die zusätzliche Arbeit zu Haushalt, Landwirtschaft und Kindererziehung auf sich genommen. Die Männer mussten zum größten Teil auswärts arbeiten, denn von den kleinen landwirtschaftlichen Betrieben konnte eine Familie nicht leben.“

„Ich wollte die Leute immer bestmöglich unterstützen, Hindernisse und unnötige Hürden beseitigen.“ - Sepp Reinstadler, Alt-Bürgermeister Jerzens

Seine Funktion als Bürgermeister hat Sepp Reinstadler darin gesehen, die Leute bestmöglichst zu unterstützen, Hindernisse zu beseitigen und keine unnötigen Hürden aufzubauen. Wenn auch mit dem Thema Agrargemeinschaften viel Unmut entstanden ist, steht er heute noch zu seiner Überzeugung, die ihm im Dorf viel Kritik, landesweit aber höchste Anerkennung eingebracht hat.

Neues Tourismuszeitalter

Einer der wichtigsten Meilensteine im Leben des Sepp Reinstadler war die Eröffnung der Pitztalbrücke 1983, sie war damals mit 169 Metern die größte im Freivorbau errichtete Bogenbrücke Europas . Dass der imposante Eingang ins Pitztal nicht „Imster Schluchtbrücke“ oder ähnlich heißt, ist unter anderem der Initiative des langjährigen Jerzner Bürgermeisters zu verdanken. Mit Bürgermeister Edgar Siegele aus Arzl war er auch Initiator des Ausbaus der Landesstraße über Arzl nach Wald und den Neubau über Leins nach Jerzens.

Als Gemeindechef und Tourismusobmann war Sepp Reinstadler maßgeblich am Aufstieg der Jerzner Hochzeigerbahnen zu einem der wichtigsten Betriebe im Pitztal beteiligt. Auf dem Bild der Tourismus-Ausschuss Ende der 1970er-Jahre: (v. l. vorne) Egwin Eiter, Walter Schlatter (Talverband), Sepp Reinstadler; (v. l. hinten) Gundolf Klingler, Emmerich Kirchebner, Alois Walch und Hansjörg Wohlfarter.

Die Pitztalbrücke war für das Pitztal nicht nur symbolisch der Eintritt in ein neues Tourismuszeitalter, denn bis dahin musste bei jeder Fahrt ins Tal der Bahnschranken überquert werden und der war pro Tag bis zu 5 Stunden geschlossen. Außerdem konnten große Reisebusse die engen Kurven durch den Arzler Wald nicht passieren.

Bereits 1976 wurde Sepp zum Tourismusobmann gewählt. Ab diesem Zeitpunkt war er bis 2010 im Aufsichtsrat der Hochzeiger Bergbahnen, dem wichtigsten touristischen Betrieb des Ortes und des gesamten Tales. „Die weißen Wochen in Jerzens-Hochzeiger“ waren eine der zündenden Ideen von Sepp Reinstadler. Es gelang ihm, attraktive Pauschalangebote mit den Hochzeiger Bergbahnen (Hansjörg Wohlfarter), der Schischule (Eiter Egwin), den Sportgeschäften und den örtlichen Zimmervermietern auf die Beine zu stellen. Als Ergebnis wurde Jerzens 1979 die nächtigungsstärkste Gemeinde des Tales, was sie bis zum Bau der Pitztaler Gletscherbahnen blieb.

„Lieber Sepp, du hast für deine Gemeinde alles gewonnen!“

"Sehr geschätzter Herr „Alt“-Bürgermeister, lieber Freund. Es ist mir ein Bedürfnis, dir zu deinem runden Geburtstag einige Sätze zu schreiben. Lass mich ein Thema herausgreifen, welches mich mit Freude und für immer an dich denken lässt: die Rückführung von in der zweiten Hälfte des vorigen Jahrhunderts verfassungswidrig an Agrargemeinschaften überschriebenen Gemeindegründen an die rechtmäßigen Eigentümer – die Gemeinden. Es brauchte mutige Bürgermeister wie dich, die sich für ihre Heimatgemeinden nichts gefallen ließen. Bürgermeister Sepp Reinstadler ließ sich nicht beugen, wenn es um das Wohl und um die Erhaltung des Vermögens seiner Heimatgemeinde Jerzens ging. Du bist zur Klärung aller Rechtsfragen bis zum Verfassungsgerichtshof in Wien gegangen. Lieber Sepp, du hast für deine Gemeinde Jerzens alles gewonnen. Es braucht Leute im Range von Bürgermeistern in unserem Land, die sich mutig gegen ein solches Unrecht stellen."

Josef Guggenberger

Dr. Josef Guggenberger, ehem. Landesgrundverkehrsreferent u. Leiter d. Agrarbehörde

"Vor 35 Jahren, in Sölden Bürgermeister geworden, habe ich Sepp Reinstadler bei der Angelobung in der Bezirkshauptmannschaft Imst kennen gelernt. Erster Eindruck: lausbubenhaftes Lächeln, flottes Mundwerk, fröhliches Naturell. In Jerzens hat er die Gemeindeentwicklung zweifellos maßgeblich vorangetrieben, besonders am Ski- und Wanderberg Hochzeiger. Furcht vor weltlichen Obrigkeiten kannte er nicht. Mit dem Chef des Landeskulturfonds landete er gar vor dem Volksanwalt im ORF. In der brisanten Agrargemeinschaftsfrage, die zu Beginn der 2000er-Jahre aufgeflammt ist, hat er sofort das Unrecht erkannt und sich, obwohl für ihn mit privaten und persönlichen Nachteilen verbunden, für die Korrektur zugunsten der Tiroler Gemeinden eingesetzt. Aufrechten Gang nennt man das. Sepp Reinstadler ist irgendwie ein ewiger Lausbub geblieben, dem stets der Schalk im Nacken sitzt. Ich gratuliere ihm zum 70er, ad multos annos."

Ernst Schöpf

Ernst Schöpf, Bürgermeister von Sölden und Präs. des Tiroler Gemeindeverbandes

*Fotos: Zoller; Photo Schmiderer; TVB Pitztal; Walch; Riedler; Böhm


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