Nissan Leaf e+: Gelassen durch Kraft und Reichweite

Wie alltagstauglich ein Elektroauto wirklich ist, wird der TT-Dauertest des Nissan Leaf e+ zeigen. 385 Kilometer soll der 160-kW-Wolf im Schafspelz schaffen. Schon die ersten Touren liefen vielversprechend.

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Die zweite Generation des Leaf pflegt einen sachlich-modernen Auftritt. Die vanartige Statur sorgt für erfreuliche Platzverhältnisse im Innenraum.
© Fellner

Von Reinhard Fellner

Innsbruck – Der Nissan Leaf scheint einen Hang zu Superlativen zu haben. Über Jahre meistverkauftes Elektroauto der Welt, ist er nun auch das allererste Elektrofahrzeug für einen TT-Dauertest. Interessant und reizvoll zugleich. Gilt es doch, den Elektroantrieb auf seine tatsächliche Alltagstauglichkeit zu prüfen – dies aber im Leaf e+.

Der e+ ist im Modellprogramm im Vergleich zur Version mit 110-kW- (150 PS) und 40-kWh-Batterie sozusagen der Leaf 2.0: 160 kW (217 PS) leistet dessen Synchron-E-Motor und bietet dank einer 62-kWh-Lithium-Ionen-Batterie mit 288 Batteriemodulen eine Reichweite von 385 Kilometern.

Dieser Angabe werden wir nun über Monate nachgehen. Die ersten Wochen im Dauertest zeigten jedoch schon ein relativ klares Bild: Geeignetes Fahrprofil und Lademöglichkeiten vorausgesetzt, könnte der Leaf als e+ auch als Erstwagen dienen.

Dieser Leaf sieht sich nämlich nicht als Elektro-Spielzeug. Dies fängt schon bei der geräumigen Karosserie an, die vor allem vorne mit üppigen Platzverhältnissen und ausnehmend bequemen Sitzen überzeugt. Auch sonst zeigt der Leaf, dass man es mit einem rundum modernen Auto zu tun hat. So präsentiert sich die Abteilung Multimedia über einen Acht-Zoll-Schirm am allerletzten Stand. Einzig induktives Laden des Handys ist nicht möglich. Ab der Ausstattung N-Connecta sorgt zudem eine Armada von Assistenzsystemen dafür, dass man beispielsweise auf der Autobahn gar nichts mehr machen muss, als am Lenkrad die „ProPilot“-Taste zu drücken und dieses hin und wieder zu berühren. Der Leaf beschleunigt, bremst und lenkt dann von selbst. Vorteil E-Auto: Auf der Autobahn darf 130 km/h gefahren werden. Für die – mögliche – Fahrt nach Linz keine Option. So sparsam sich der starke Leaf nämlich bislang in der Stadt und auf Überlandpartien zeigte (17 bis 19 kWh auf 100 Kilometer), steigt der Strombedarf bei Geschwindigkeiten über 120 km/h recht stark an.

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In der Stadt oder beim Pendeln präsentiert sich der e+ hingegen als Wolf im Schafspelz. 160 kW Leistung bewirken eine Beschleunigung von 6,9 Sekunden auf 100 km/h.

Überhaupt scheint der e+ von der Ampel weg vor Kraft nur zu strotzen, was ein äußerst angenehmes und souveränes Fahren ermöglicht.

Eine Sensation ist die „E-Pedal“-Einstellung. Mit ihr fährt man den Leaf ausschließlich über das Gaspedal. Über die Rekuperation bremst sich der Stromer nämlich selbst, was nach wenigen Fahrten exakt bis zur Straßenlinie funktioniert.

Was die Reichweite betrifft, dürfte sie aufgrund des niedrigen Verbrauches den Angaben entsprechen. Bei einer Schnellladung mit dem Chademo-Stecker zeigte der Leaf sogar einmal vor der Fahrt 404 Kilometer Reichweite an. Gut 360 Kilometer waren dann letztlich erst einmal zu erreichen – ein sehr guter Wert, weit weg von der miteingebauten Reichweitenangst vieler E-Fahrzeuge. Clou bei der Chademo-Schnellladung: Der Leaf lädt damit mit 50 kW und kann seine Batterie somit in 90 Minuten von 20 auf 80 Prozent Kapazität bringen. Wer zu Hause mit Wechselstrom lädt, benötigt mit 6,6 kW 11,5 Stunden für die Vollladung.

Bislang sank der Batteriestand mit Zwischenladen kaum einmal unter 200 Kilometer Reichweite – ein Wert, der für viele Modelle die Maximalreichweite darstellt. Acht Jahre garantiert Nissan für die Batterie, ab 38.350 Euro geht es beim e+ los – Förderungen kommen noch weg.


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