Mindestens 30 Tote bei Autobombenanschlag im Osten Afghanistans

In Afghanistan detoniert eine massive Autobombe bei einem Gästehaus in der zentralen Provinz Logar. Unter den zahlreichen Opfern sind vor allem Schüler. Sie waren für die Uni-Aufnahmeprüfung angereist.

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Kabul – Im Osten Afghanistans sind am Freitag bei einem Autobombenanschlag mindestens 30 Menschen getötet worden. Örtliche Behörden bezifferten die Zahl der Verletzten auf mehr als 60. Das Attentat ereignete sich in Pul-e Alam, der Hauptstadt der Provinz Logar. Unter den Opfern befanden sich zahlreiche Schüler sowie zudem Angehörige regierungsnaher Milizen, wie der Vorsitzende des Provinzrats, Hasibullah Staneksai, mitteilte.

Der Provinzrat Qaribullah Sadat sagte, die Schüler seien für die Aufnahmeprüfungen zur Universität in die Provinzhauptstadt gekommen. Viele weitere Opfer seien noch unter den Trümmern der Häuser gefangen, die bei der Explosion zerstört wurden. Auch ein Krankenhaus sei teilweise zerstört worden. Das Gebiet, in dem die Autobombe detonierte, sei ein Wohnviertel.

Polizeisprecher Gul Haidar Ahmadi sagte, eine Rettungsaktion für die unter den Trümmern gefangenen sei am Laufen. An dieser seien Polizei, Militär und Geheimdienst beteiligt. Bisher bekannte sich niemand zu dem Angriff. Warum der Ort zum Ziel des Anschlags gewählt wurde, blieb zunächst unklar.

Der afghanische Präsident Ashraf Ghani beschuldigte in einer Mitteilung die militant-islamistischen Taliban. Er verurteilte den Anschlag und erklärte, dass die Taliban selbst im Monat Ramadan, der ein Monat der Barmherzigkeit und Vergebung sei, nicht aufhörten, Menschen zu töten. Die Islamisten würden so beweisen, dass sie nicht den Willen hätten, die anhaltende Krise friedlich zu lösen.

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📽️ Video | NATO-Truppen verlassen Bürgerkriegsland nach 20 Jahren

Von den aufständischen radikalislamischen Taliban war zunächst keine Stellungnahme zu bekommen. Seit Bekanntgabe der NATO-Truppenabzugspläne vor zwei Wochen hat die Gewalt in Afghanistan deutlich zugenommen.

Der Anschlag ereignete sich einen Tag vor dem offiziellen Beginn des Abzugs der internationalen Truppen aus Afghanistan. Nach fast 20 Jahren Einsatz sollen rund 10.000 NATO-Soldatenn der Ausbildungsmission "Resolute Support", darunter 2.500 Soldaten aus den USA, bis spätestens September das Land verlassen haben.

Faktisch hat der Abzug nach Angaben der NATO bereits begonnen. Bereits seit Wochen wird Material aus dem Land gebracht. Mehrere NATO-Länder haben zusätzliche Kräfte bereitgestellt oder halten sie bereit, um den Abzug zu sichern. (APA/dpa/Reuters)


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