Pandemie befeuert Armut in Tirol: „Arme werden immer ärmer“

Kinder in Not, Obdachlose, Opfer von Katastrophen und Schicksalsschlägen: Für sie und andere Hilfsbedürftige wird bei der Haussammlung der Tiroler Caritas um Spenden gebeten.

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Rund 1600 Haussammler und Haussammlerinnen gehen in Tirol jährlich von Tür zu Tür.
© Caritas Tirol

Von Benedikt Mair

Innsbruck – 750.000 Euro wurden im Schnitt in den vergangenen Jahren bei der Haussammlung der Tiroler Caritas gespendet. Viele soziale Projekte konnten dadurch mit möglich gemacht werden. Gestern wurden die Eckpunkte der heurigen Aktion präsentiert.

Kinder in Not, kranke und überforderte Eltern, pflegende Angehörige, Obdachlose und Menschen, die durch eine Katastrophe oder einen Schicksalsschlag alles verloren haben – für sie werde laut Tirols Caritas-Direktor Georg Schärmer Frühjahr um Frühjahr um Geld gebeten. Die Corona-Krise habe die Lage verschärft. „Die Pandemie hat die Armut in diesem Land noch befeuert. Arme werden immer ärmer.“ Es seien aber auch neue Bedürftige hinzugekommen, „Menschen, die vorher nie geglaubt haben, in ihrem Leben unsere Unterstützung in Anspruch nehmen zu müssen. Und jetzt plötzlich sind sie da“, sagte Schärmer. „In den vergangenen Monaten hat die Zahl der Hilfesuchenden zugenommen. Die Caritas braucht es immer. Tirol hat einen hohen Grundwasserspiegel an Solidarität.“

Während gewöhnlicher Jahre gehen die rund 1600 Sammlerinnen und Sammler im ganzen Land von Haus zu Haus, klingeln und bitten um eine Spende. Heuer wird das in einigen Gemeinden so möglich sein, in anderen nicht. „Wir haben uns drei Varianten überlegt“, erklärte Elisabeth Rathgeb, stellvertretende Direktorin der Tiroler Caritas. „Zum einen die klassische Haussammlung, natürlich Corona-konform mit Maske, Abstand und der Möglichkeit einer kontaktlosen Bargeldübergabe.“ So werde es in Orten mit niedrigen Infektionszahlen ablaufen, meinte Rathgeb. Falls das nicht möglich ist, wird ein Brief mit Projekt-Beschreibung, Zahlschein und einem Segensband persönlich ausgeteilt – oder dem Pfarrbrief beigelegt. „90.000 Stück haben wir schon gedruckt.“

Innsbrucks Bischof Hermann Glettler bat die Tirolerinnen und Tiroler auch in dieser herausfordernden Zeit um ihre Unterstützung. „Wir müssen aufeinander zu-, nicht aufeinander losgehen. Nicht übereinander herziehen, sondern miteinander aufbrechen. Statt gegeneinander aufzurüsten, füreinander etwas in die Waagschale werfen“, sagte der Bischof. „Ihre Spende ist sehr kostbar und kommt zu 100 Prozent dort an, wo sie gebraucht wird.“

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