Corona-Hotline: Jahr der Extreme auch für die Leitstelle Tirol

Fast zwei Drittel Mehrarbeit hat die Leitstelle Tirol im vergangenen Jahr verzeichnet. Hauptverantwortlich dafür war die Hotline 1450.

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Corona und Lockdown haben die klassischen Einsätze zurückgehen lassen, die Hotline 1450 war dagegen zeitweise überlastet.
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Innsbruck – Einen Rückgang bei den „klassischen Notrufen“ der Nummern 122, 140 sowie 144, dafür, wenig überraschend, einen massiven Anstieg bei der Gesundheitshotline 1450 hat die Leitstelle Tirol im Pandemie-Jahr 2020 verzeichnet. Insgesamt gingen etwa 812.000 Notrufe, Anrufe oder digitale Meldungen bei der Leitstelle ein – um knapp 310.000 mehr als im Jahr zuvor. Allein die Gesundheitshotline 1450 nahm 135.110 Anrufe entgegen, im Jahr zuvor waren es gerade einmal 3635. Mit 635.000 Alarmierungen, Disponierungen und Aktivitäten wurde der bisherige Wert der vergangenen Jahre um über 65 Prozent und damit um rund zwei Drittel übertroffen.

Die Top-5-Alarmierungen 2020

In Summe alarmierte die Leitstelle 635.000-mal. Hier die Top 5 – ohne Dienstfahrten und Übungen.

  1. Hotline 1450: Über die Gesundheitsberatung liefen 275.895 Aktivitäten.*
  2. Krankentransport: Landet mit 178.501 Vermittlungen auf Platz 2.
  3. Rettungsdienst: Verzeichnete im Vorjahr 126.115 Alarmierungen.
  4. Feuerwehr: 12.843-mal wurden die Feuerwehren alarmiert.
  5. Notarzthubschrauber: 8090 Einsätze waren es für die Notarzt-Helis.

*inklusive September bis Dezember 2019

An den Spitzentagen im März 2020 zu Beginn der Pandemie wurden 15.000 eingehende Anrufe verzeichnet, was die Kapazitäten der Leitstelle deutlich an die Grenzen brachte. So gingen im ersten Quartal des abgelaufenen Jahres rund 90.000 Anrufe bei der Hotline 1450 ein, 24.500 konnten angenommen werden. Einem etwas ruhigeren zweiten Quartal folgten ab August wieder steigende Covid-Zahlen und damit eine erneute Zunahme der Anrufe unter 1450 (siehe Kasten rechts).

„Gemeinsam haben wie in den letzten Monaten viele an uns gestellte Aufgaben bravourös gemeistert“, lobt der Geschäftsführer der Leitstelle Tirol, Bernd Noggler, sein Team angesichts der herausfordernden Zeiten. „Die Statistik liefert beeindruckende Zahlen zu den geleisteten Tätigkeiten des vergangenen Jahres. Vom Notfallgeschehen und der Krankentransport-Abwicklung über die Gesundheitsberatung bis hin zu allen neu etablierten Softwarelösungen wurde höchst professionell gearbeitet“, so Noggler. Auch das Projekt ELS2020 – der Umstieg auf ein neues Einsatzleit- und Kommunikationssystem – sei erfolgreich fortgesetzt worden. Dies war notwendig geworden, weil das bis dahin bestehende System von der Herstellerfirma aufgelassen worden war. „Die Umstellung erfolgte im erhöhten Vollbetrieb“, so der für die Leitstelle Tirol politisch zuständige LHStv. Josef Geisler (ÖVP). „Dass die Umstellung reibungslos funktioniert hat, liegt an der minutiösen Planung und perfekten Vorbereitung.“

Den enormen Anstieg des Arbeitsaufwands aufgrund der Corona-Pandemie betont Gesundheitslandesrat Bernhard Tilg (ÖVP): „Mit zunehmender Ausbreitung des Virus nutzten wir die seit September 2019 bestehende Infrastruktur der Gesundheitsberatung für Anfragen der Bevölkerung auch für den Themenkomplex Covid-19. Die Organisation der Abstriche bei Verdachtsfällen konnte ebenfalls in diesem Bereich angesiedelt werden.“ Aufgrund des hohen Anrufvolumens wurde sowohl das Stammpersonal der Leitstelle Tirol verstärkt, als auch durch das so genannte Covid-Triage-Team – bestehend aus Praktikanten, Personal vom Land Tirol und dem Österreichischen Bundesheer – unterstützt. „Als eines der ersten Bundesländer Österreichs boten wir mithilfe der Infrastruktur der Leitstelle Tirol zusätzlich auch verschiedene Online-Tools, beispielsweise zur Einmeldung von Covid-Verdachtsfällen, an“, schildert Gesundheitslandesrat Tilg.

Zahlen im Detail

122, 140, 144: Bei den „klassischen Notrufnummern“ verzeichnete die Leitstelle Tirol ein Minus von rund zehn Prozent. Der Rückgang beim Rettungsdienst betrug 5 Prozent, bei der Feuerwehr 16 Prozent und bei der Bergrettung 7,5 Prozent. Der Notarzthubschrauber wurde um 18 Prozent seltener angefordert.

Rekordtag: Der einsatz­stärkste Tag über alle Bereiche war im vergangenen Jahr der 9. November mit rund 5000 Dispositionen, davon 3700 über die Nummer 1450. Zum Vergleich: Am Rekordtag 2019 waren es 1700 Dispositionen.

Hotline 1450: Im ersten Quartal 2021 gingen 162.336 Anrufe bei der Gesundheitsberatung 1450 ein. 2020 waren es 319.162 Anrufe, von denen 135.110 angenommen werden konnten.

Auch im laufenden Jahr hält Corona das Team der Leitstelle Tirol weiter auf Trab: Die mit Anfang Dezember etwas geringere Dynamik bei 1450 hat sich ab Februar, speziell jedoch im März 2021, wieder deutlich verstärkt. So gingen am 8. März über 4600 Anrufe unter 1450 ein, im Schnitt sind es in der dritten Welle 3000 Anrufe täglich. Trotzdem ist es laut Leitstelle gelungen, die Annahmezeiten unter einer Minute zu halten. (TT, np)


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