Nach Frauenmordserie: Schweden als Vorbild für Männerbild

Seit der Frauenbewegung in den 60er-Jahren hat Schweden begonnen, die Männer „ins Boot zu holen", um damit eine „sorgende Männlichkeit" zu schaffen. Schweden und generell die Länder im Norden könnten in gesellschaftspolitischer Hinsicht ein Vorbild für Österreich sein.

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Schweden ist Vorreiter in Sachen Männerbild.
© Pixabay

Wien, Stockholm – Das entscheidende Moment bei Männergewalt sei ein bestimmtes Bild von Männlichkeit, das in der Gesellschaft als dominant und konkurrenzorientiert vorherrscht. "So lange wir diese Bild haben, haben wir immer eine Gruppe von Männern, die gewalttätig sein kann", sagte Erich Lehner vom Dachverband Männerarbeit Österreich (DMÖ) im ORF-Morgenjournal. Schweden könne in gesellschaftspolitischer Hinsicht diesbezüglich ein Vorbild sein.

Der Experte konstatierte ein Nord-Süd-Gefälle in Europa, mit den Vorbildern im Norden, etwa auch Island, das die Babykarenz in fünf Monate für Väter, fünf Monate für Mütter und zwei weitere Monate frei verfügbar aufteile. Schweden wiederum habe mit Beginn der feministischen Bewegung in den sechziger Jahren begonnen, auch die Männer "ins Boot zu holen", vor allem was Familienarbeit und andere unbezahlte Arbeit etwa in der Altenpflege - Stichwort "sorgende Männlichkeit" - betreffe, aber auch im Bereich der bezahlten Berufe, die unter sorgende Tätigkeiten fallen, erläuterte Lehner.

Im Vergleich zu Schweden habe Österreich hier einen "noch sehr weiten Weg vor uns, aber es ist sehr, sehr notwendig, dass wir diesen Weg gehen", betonte der Psychoanalytiker. Männer in sorgenden Tätigkeiten würden das Männlichkeitsbild verändern, und das reduziere Gewalttätigkeit.

Nicht „entweder - oder", sondern „sowohl - als auch"

Die Initiativen der Bundesregierung, Maßnahmen im Bereich des Opferschutzes, der Täterarbeit, der Zusammenarbeit mit den Behörden und der Gewaltprävention zu verstärken, wurden in einer Aussendung des DMÖ begrüßt, ebenso das Vorhaben, die Mordfälle der vergangenen Jahre zu analysieren und daraus Präventionsmöglichkeiten abzuleiten. Weiters betonte der Dachverband seine Unterstützung für die Anliegen der Opferschutzorganisationen.

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Bei Opferschutzarbeit und Täterarbeit gehe es nicht um "entweder - oder", sondern um "sowohl - als auch": Täterarbeit leiste einen Beitrag zum Opferschutz, indem Gewaltverhalten abgebaut werde, in Anti-Gewalt-Trainings und gegebenenfalls zusätzlich mit Psychotherapie, Suchtbehandlung, psychiatrischer Behandlung oder einem anderen Hilfeangebot. Seine Aufgaben sieht der DMÖ in Arbeit mit gewalttätigen Männern ("Täterarbeit"), deeskalierender Beratung etwa in Trennungssituationen, Gewaltprävention mit Buben und Burschen sowie einer Kampagne für Männlichkeitsbilder, die nicht mehr an Härte, Dominanz und patriarchalen Vorstellungen orientiert sind, sondern an Partnerschaftlichkeit, Beziehungsorientierung und Sorgearbeit ("Caring Masculinities").

Wenn bereits Einrichtungen und Behörden involviert sind, brauche es eine vernetzte Vorgangsweise mit Austausch von Informationen zwischen Opferschutzeinrichtungen, Täterarbeit und Behörden. Auch die Sicherheitspolizeilichen Fallkonferenzen gehörten hierzu, so der DMÖ. Diesen waren 2018 unter Protest der Opferschutzeinrichtungen abgeschafft, im Jänner 2020 aber wieder ins Gewaltschutzgesetz aufgenommen worden. In einer "einzigartigen Vernetzung mit der Polizei und den Gewaltschutzorganisationen gab es monatliche Treffen, wo man genau diese Fälle eingeschätzt hat und auch bewertet hat", um schon im Vorfeld Maßnahmen zu setzen, sagte Klaudia Frieben vom Österreichischen Frauenring im Morgenjournal. Nach ihren Angaben finden diese Konferenzen derzeit aber nicht statt. (APA)

Unterstützungsangebote:

Die zentrale Plattform „Männerinfo" berät sowohl über ihre Homepage als auch telefonisch unter 0720 / 70 44 00 bei Gewalt in der Familie und vermittelt Männer an Unterstützungsangebote in ihrem Bundesland.


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