Jeder Name zählt: Mauthausen-Opfer werden an Gedenkstätte projiziert

Mit der Videoproduktion „#eachnamematters" gedenkt das Mauthausen Memorial zum 76. Mal der Befreiung des österreichischen Konzentrationslagers. Das Projekt soll den damals namenlosen Opfern Identität und Würde zurückgeben.

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© Mauthausen Memorial

Mauthausen – Am 5. Mai jährt sich die Befreiung des KZ Mauthausen durch US-Truppen zum 76. Mal. In dem KZ mit 49 Nebenlagern waren 200.000 Menschen aus aller Welt interniert, mindestens 90.000 wurden getötet. Um Zahlen konkrete Namen "mit individuellen Lebensgeschichten" entgegenzusetzen, hat das Mauthausen Memorial mit der Ars Electronica Linz die Videoproduktion "#eachnamematters" geschaffen. Von 4. bis 6. Mai werden an der Außenmauer des ehemaligen KZ die Namen der Opfer projiziert.

16,6 Millionen Bildpunkte verwandeln die 120 Meter lange Mauer an den drei Tagen jeweils von 20 bis 24 Uhr in eine digitale Projektionsfläche. Aus einer "sprudelnden Quelle an Buchstaben" formen sich die bisher bekannten Namen der Ermordeten des KZ-Systems, die dann an der Steinwand herabrinnen. So wird das Projekt, das vom Innenministerium unterstützt wurde, in einer Aussendung beschrieben. Dazu werden ihre Namen verlesen. Zwölf Stunden dauert es, bis alle Opfer in dieser Form sichtbar werden.

12 Stunden dauert es, bis alle bekanntne Opfer an die Wand projiziert werden.
© Mauthausen Memorial

Opfern Namen zurückgeben

"Wir wollen den damals namenlosen Opfern ihre Identität und Würde zurückgeben", unterstreicht die Direktorin des Mauthausen Memorial, Barbara Glück, einen "wesentlichen Bestandteil der Erinnerungsarbeit der Gedenkstätte". Das Projekt "#eachnamematters" sei ein weiterer Beitrag dazu. Aber nur die Namen statisch an eine Mauer zu projizieren, war dem Ars Electronica Center zu wenig. Vielmehr solle jedem eine "Individualität, ein eigener Raum" durch bewegte Bilder gegeben werden, erläutert dessen künstlerischer Leiter Gerfried Stocker den Ansatz der Arbeit.

Die Klagemauer im KZ Mauthausen kann besucht werden.
© HARALD SCHNEIDER

Parallel zur Installation läuft auch eine gleichnamige Social-Media-Aktion. Jedem werde damit die Möglichkeit gegeben, seine Erinnerungen, Gedanken und Eindrücke zu einzelnen Biografien unter dem Hashtag zu teilen, heißt es weiter in der Aussendung. Direkt am Befreiungstag, dem 5. Mai, werden entlang der Lagerstraße Fahnen der Opfernationen gehisst. Unter Einhaltung der Covid-19-Sicherheitsbestimmungen sei es auch möglich, den Denkmalpark sowie die "Klagemauer" mit allen Denkmälern und Gedenktafeln zu besuchen.

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Die Internationale Befreiungsfeier wird dann am 16. Mai coronabedingt nur als Gedenkzug mit reduzierter Teilnehmerzahl stattfinden. Das Gedenken steht heuer unter dem Thema "Vernichtete Vielfalt", die Veranstaltung wird live auf den Online-Kanälen des Mauthausen Komitees Österreich gestreamt. (APA)

Weiterführende Informationen:

Auf der Homepage der Mauthausen Gedenkstätte bekommen Sie aktuelle Informationen rund um die Video- und Social-Media-Aktion. Ein Livestream überträgt „#eachnamematters" im Internet.


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