Nach Frauenmordserie: Ruf nach mehr Frauenhausplätzen in Tirol

39 Plätze in Frauenhäusern gibt es in Tirol, 75 sollten es nach der Istanbul-Konvention sein. Die SPÖ sieht „dringenden Handlungsbedarf“, die FPÖ will einen Ausbau von Männerberatungsstellen. LR Fischer kündigt die Umsetzung eines Frauenhauses für Herbst an.

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Symbolbild.
© Maja Hitij

Innsbruck – Nach der Serie an Frauenmorden in Österreich ist auch in Tirol der Ruf nach einem stärkeren Opferschutz laut geworden. SPÖ und FPÖ forderten mehr Plätze in Frauenhäusern und einen Ausbau der Täterarbeit. Die zuständige Landesrätin Gabriele Fischer (Grüne) verwies darauf, dass im Herbst 2021 ein weiteres Frauenhaus in Tirol entstehen soll und meinte, dass man den Bereich Männerberatung „forcieren“ wolle.

Yildirim (SPÖ) kritisiert das Fehlen von Frauenhausplätzen im Oberland.
© Vanessa Rachle/TT

SPÖ-Landesfrauenvorsitzende Selma Yildirim und ihre Stellvertreterin Elisabeth Fleischanderl kritisierten, dass es in Tirol zu wenig Frauenhausplätze gebe, denn nach der Istanbul-Konvention des Europarates sollten in Tirol 75 Frauenhausplätze zur Verfügung stehen. Laut Fischer könne man derzeit 39 Betroffenen in einem Frauenhaus Schutz bieten, in weiteren sechs Einrichtungen könne man Frauen in 30 Wohnungen unterbringen. „Diese Plätze erfüllen jedoch nicht die Kriterien, die ein Platz in einem Frauenhaus erfüllt“, räumte sie ein.

Als „dramatisch“ bezeichneten Yildirim und Fleischanderl die Situation im Tiroler Oberland, „wo es überhaupt keine Plätze gibt“. „Schöne Worte“ seien hier zu wenig und wenn es um Gewaltschutz gehe, „dauert alles ewig und es wird jeder Euro dreimal umgedreht“, sagten sie in Richtung schwarz-grüner Landesregierung.

Fischer meinte wiederum, dass man im Oberland für eine passende Immobilie noch in „Abstimmungsgesprächen“ sei, aber im Herbst 2021 sollte es dann an die Umsetzung des Projektes gehen. Das „inhaltliche Konzept“ und die „Finanzstruktur“ seien bereits auf Schiene, versicherte Fischer.

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FPÖ will Ausbau von Männerberatungsstellen

Tirols SPÖ-Chef Georg Dornauer und FPÖ-Landesparteiobmann Markus Abwerzger forderten präventive Maßnahmen gegen Männergewalt. „Ein Stop der Männergewalt muss auch von Männern getragen werden. Wir dürfen nicht wegschauen, sondern müssen sehr genau hinschauen“, hielt Dornauer fest. Abwerzger kritisierte einen Mangel an Opferschutzeinrichtungen und sprach sich für einen Ausbau von Männerberatungsstellen aus. Es brauche „eine begleitende psychologische Beratung, und auch Kontrolle bei Männern, die wegen Gewalt auffällig geworden sind“.

Ein Stop der Männergewalt muss auch von Männern getragen werden. Wir dürfen nicht wegschauen, sondern müssen sehr genau hinschauen.
Tirols SPÖ-Chef Georg Dornauer

Fischer meinte, dass vorgesehen sei, diesen Bereich zu „forcieren“. Derzeit bestehen vier Männerberatungsstellen – bei jener in Innsbruck sei es während der Corona-Krise auch zu einem Anstieg bei den Beratungen gekommen, berichtete sie. Zur Verhinderung von Frauenmorden verwies Fischer auf die Gewaltpräventionsstelle, die Anfang des Jahres eingerichtet wurde. Hier würde mit „internen und externen Einrichtungen“ zusammengearbeitet. Dennoch meinte sie, dass eine „verstärkte Abstimmung mit der Bundesebene sowie der Exekutive“ wichtig sei.

Yildirim richtet Anfrage an Frauenministerin

Yildirim kritisierte fehlende Mittel für den Gewaltschutz auch auf Bundesebene und richtete diesbezüglich eine Anfrage an Frauenministerin Susanne Raab (ÖVP). „Mit einem Frauenbudget von 14,5 Mio. Euro im Jahr sind keine großen Sprünge möglich. Den Beratungseinrichtungen fehlt das Geld und sie müssen Jahr für Jahr um Subventionen zittern“, kritisierte die SPÖ-Landesfrauenvorsitzende. Deutlich werde das an einem Beispiel aus dem Tiroler Unterland, wo es keine einzige Frauenservicestelle gebe, obwohl die Frauenberatung „Evita“ alle formellen Kriterien erfülle. Das würde eine Unterstützung mit einem Fixbetrag von 50.000 Euro im Jahr seitens des Ministeriums bedeuten.

„Evita kommt offensichtlich wieder nicht zum Zug, da im Ministerium das Geld fehlt. Ich habe daher eine parlamentarische Anfrage an die ÖVP-Frauenministerin gerichtet“, erklärte Yildirim. „Opferschutz, Täterarbeit, Prävention und gesellschaftliche Sensibilisierung sind Säulen des Gewaltschutzes. Dafür sind entsprechende Mittel dringend notwendig. Neun im Jahr 2021 von ihren (Ex-)Partnern getötete Frauen sind neun zu viel.“ (TT.com, APA)


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