Livestream zeigt Falkenpaar im Kirchturm von Mils bei Imst

Im Kirchturm von Mils bei Imst ist ein von Turmfalken bewohnter Nistkasten samt vier Live-Kameras installiert.

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Die Turmfalken im Milser Kirchturm können live verfolgt werden.
© Bullock

Von Alexander Paschinger

Mils bei Imst – Das Falkenteam von Mils bei Imst sitzt auf Nadeln. Es geht darum, ob in den nächsten Tagen das Turmfalkenpaar, das sich heuer im Kirchturm hoch über Mils eingenistet hat, auch tatsächlich Nachwuchs bekommen wird. Und es sieht gut aus, meint Christoph Grissemann, der für die ornithologische Begleitung des Projektes sorgt. Und davon kann sich jeder Nutzer eines Internet-Anschlusses überzeugen. Denn vier Live-Kameras zeigen aus verschiedenen Perspektiven das Geschehen im Kirchturm. „Gerhard Tilg hat unsere Live-Übertragungen verbessert – die Übertragungen sind jetzt viel stabiler“, freut sich Ortschronistin Leni Bullock, die für die Öffentlichkeitsarbeit zuständig ist.

Auf Bullocks Internetseite milsimbild.at/falkenkamera führt Grissemann auch das Falkentagebuch. Das hat heuer am 21. Februar begonnen, als das Männchen eingeflogen ist. Am 12. März erschien das Weibchen. „Es sind alle Anzeichen da, dass es heuer gut funktioniert“, sagt Grissemann. Im Vorjahr gab es eine Enttäuschung. Zwar wurde der Nistkasten besetzt, aber es kam zu regelrechten Falkenkämpfen – mit dem Ergebnis, dass die Saison 2020 nachwuchstechnisch als Misserfolg floppte. Aber heuer? „Die Brutzeit ist Anfang Mai, da werden alle zwei Tage Eier gelegt“, sagt der Hobbyornithologe. Ein Gelege besteht in der Regel aus drei bis fünf Eiern.

Und dieses erste Ei ist es, auf das das Milser Falkenteam und das treue Live-Publikum hinfiebern. „Neulich waren 38 Personen online“, erzählt Bullock. In Tirol ist es derzeit die einzige aktive Falkenkamera, aber die Fans kommen sogar aus Ostösterreich. Sie hat auch ihren Fixplatz in der Milser Volksschule – immer wieder werden Projekte rund um die eleganten Raubvögel gemacht. „Auch andere Volksschulen im Oberland sind interessiert“, so Bullock. Inzwischen wurde ein interessanter Folder gestaltet.

Begonnen hatte alles 2008, als Schutzgebietsbetreuer Toni Vorauer mit Volksschulkindern den Nistkasten im Kirchturm bastelte. Aber es brauchte Geduld: Erst 2016 meldete der ehemalige Landesrat Erwin Kohler als Anrainer, dass „Vögel herumfliegen“. 2017 kam die Idee mit einer Live-Kamera, die Gerhard Tilg installierte und die über den Verein Region auch europäisch gefördert wurde. Ein Jahr später wurde die Technik verbessert und ausgeweitet. Seit heuer hat die Gemeinde Mils die Kosten für Wartung und Erhaltung der Falkenkamera übernommen.

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„Die Gegend um Mils ist ideal für die Turmfalken“, erklärt Grissemann. Bevorzugte Beute sind Mäuse und Eidechsen. Sie holen die Nahrung in den Feldern.“ Dazu kommen die Milser Sonnenhänge, die schon früh im Jahr aper sind und sich als Jagdgebiet für die Falken eignen.

Überhaupt entwickelt sich die Gegend seit dem Schutz und der Revitalisierung der Milser Au sehr gut. „Das Wichtigste, was sich neben der Natur erholt hat, ist das Bewusstsein der Menschen“, sagt Grissemann. Biber und Fischotter sind zurückgekehrt. Außerdem gehört der seltene und geschützte Flussuferläufer inzwischen schon zum Dauergast auf den Schotterbänken des Inn. „Wir stellen heuer Schilder auf, dass die ,Große Insel‘ nicht betreten werden darf“, so Grissemann. Den Wiedehopf hat er auch schon beobachtet. Jüngster Zuzug ist aber der prächtig schillernde bunte Eisvogel in der Au.


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