Entgeltliche Einschaltung
Plus

TT-Analyse zu Spaniens gefährlichem Flirt mit dem Faschismus

  • Artikel
  • Diskussion
Christian Jentsch

Analyse

Von Christian Jentsch

In der Hauptstadtregion Madrid feierten Dienstagnacht die zuletzt von Korruptionsaffären arg gebeutelten spanischen Konservativen ihre Wiederauferstehung. Die Regionalpräsidentin und Spitzenkandidatin der Volkspartei (PP), Isabel Díaz Ayuso, errang bei der vorgezogenen Wahl 65 der insgesamt 136 Sitze und konnte somit ihr Ergebnis von 2019 mehr als verdoppeln. Der neue Shootingstar der Konservativen – eine 42-jährige gelernte Journalistin – fügte der Linken eine vernichtende Niederlage zu und besiegelte damit verbunden das politische Ende des Podemos-Vorsitzenden Pablo Iglesias, der jüngst seinen Posten als Vize-Premier der Zentralregierung zur Verfügung stellte, um in Madrid anzutreten. Um dann eine herbe Schlappe einzufahren.

Entgeltliche Einschaltung

Die von den Medien betitelte „Kneipenkönigin“ Ayuso punktete bei den Madrilenen mit ihrer – ganz im Gegensatz zu den von der Zentralregierung verordneten harten Beschränkungen des öffentlichen Lebens – lockeren Corona-Politik. So blieben Cafés und Bars in den vergangenen Monaten geöffnet. Das ist aber nur die eine Seite von Ayusos Politik.

Mit ihrem Schlachtruf „Freiheit oder Kommunismus“ wurde sie zum Symbol der gefährlichen ideologischen Radikalisierung Spaniens. Über 45 Jahre nach dem Tod des faschistischen Diktators Francisco Franco werden Erinnerungen an die dunklen Zeiten Spaniens wach, über die jahrzehntelang der Mantel des Schweigens gebreitet wurde – die Aufarbeitung des spanischen Faschismus mit Zehntausenden Toten stößt auch heute noch auf gewaltigen Widerstand.

Was verstört, ist das Kokettieren Ayusos mit der rechtsextremen Vox, die offen ein autoritäres Gesellschaftsmodell nach dem Vorbild Francos propagiert und Regionen wie Katalonien ihre Autonomie nehmen will. Was darauf folgen würde, dürfte klar sein: Spanien könnte in einen neuen Bürgerkrieg versinken. Jene, die zur Erreichung der politischen Macht auf eine offene Spaltung der Gesellschaft setzen und Gewalt nicht verurteilen wollen, sollten in einem modernen Europa keinen Platz mehr haben.


Kommentieren


Schlagworte

Entgeltliche Einschaltung