Seelische Not mit Alkohol betäubt: Corona-Krise fördert Suchtverhalten

Die Suchthilfe hat alle Hände voll zu tun. Ängste und geschlossene Gasthäuser ließen den Alkoholkonsum daheim ansteigen.

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(Symbolfoto)
© dpa

Von Angela Dähling

Schwaz – Jobverlust, Existenzängste, Einsamkeit. All das haben die Covid-Schutzmaßnahmen der Regierung für viele Menschen mit sich gebracht. Wie sich diese Belastungen auf die Psyche auswirken, merkt man auch bei der Suchthilfe Tirol an steigenden Beratungszahlen. Seit April ist der Terminkalender von Tina Steiner von der Suchthilfe in Schwaz voll. „Jetzt melden sich bei uns viel mehr Menschen als im Frühjahr“, erzählt sie. Die Lockdown-bedingte Distanz ist vorüber, jetzt kommen die Probleme ans Tageslicht. „Jene, die nur in Gesellschaft trinken, hatten weniger Probleme. Eher die, die mit der Isolation Probleme oder Existenzängste hatten, glaubten, die seelische Not mit Alkohol besser ertragen zu können“, schildert Steiner. Ein Drittel ihrer Klienten sei neu, leider seien auch etliche trockene Alkoholiker aufgrund der Covid-Krise rückfällig geworden. „Wir sind zwar während des Lockdowns auch mit Klienten im Bereich der Nachbetreuung in Kontakt geblieben, um die Rückfälligkeit gering zu halten. Aber das Telefonat ist eben kein hundertprozentiger Ersatz für ein persönliches Gespräch. Und auch Erstkontakte kamen durch die eingeschränkte Erreichbarkeit mitunter zu kurz“, bedauert Steiner. Übrigens hätten 13 Prozent der Klienten aufgrund der geschlossenen Gasthäuser weniger Alkohol konsumiert, 25 Prozent konsumierten deshalb mehr.

Fünf Prozent der Österreicher gelten als registrierte Alkoholabhängige (die in einer Behandlung sind), weitere zehn Prozent als alkoholsuchtgefährdet; d. h. rund 340.000 Österreicher sind laut Suchthilfe alkoholkrank. 150.000 gelten als medikamentenabhängig und 30.000 sind drogenabhängig. „In Tirol sind 30.000 Menschen alkoholkrank, mindestens 60.000 Menschen alkoholsuchtgefährdet, ein Zehntel davon entfällt auf den Bezirk Schwaz“, sagt Steiner.

Oft verschwimmen die Grenzen zwischen Genuss und problematischem Alkoholkonsum. Steiner: „Kritisch wird es, wenn man den Alkoholkonsum nicht mehr selbst steuern kann, und problematisch, wenn eine bestimmte Wirkung durch Alkoholkonsum erzielt werden soll.“

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