Behörden prüfen Fälle: Wildwuchs beim Testen sorgt für Ärger in Tirol

Apotheker, die Antigentests in Wettlokalen anbieten, oder ein Testergebnis nach nur 72 Sekunden: Das Land kündigt rechtliche Schritte an.

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Bei den Schnelltests werden nicht immer die Vorschriften eingehalten.
© Sebastian Gollnow

Innsbruck – Testen, testen, testen – ob Ausreise- oder Eintrittstestpflicht beim Friseur. Ab 19. Mai steht wegen der Öffnungen der Gastronomie und Hotellerie eine weitere Testwelle bevor. Auch bei Veranstaltungen im Kultur- und Sportbereich benötigt es Zutrittstests. Doch schon jetzt nimmt der Wildwuchs an Anbietern zu, das Geschäft mit den Antigentests blüht. Und das treibt mitunter obskure Blüten. Denn nicht immer werden Vorschriften eingehalten.

Rund 13 Millionen Euro hat das Land Tirol bisher für Antigentests ausgegeben. Das plötzlich Apotheker in Wettlokalen Testangebote bereitstellen, brachte das Fass zum Überlaufen, wie der Leiter des Tiroler Kriseneinsatzstabes Elmar Rizzoli betont. Deshalb erging bereits vor 14 Tagen die Anweisung, alle Anbieter in Tirol zu überprüfen.

Der Ötztaler Blogger Markus Wilhelm weist aktuell auf einen besonders krassen Fall hin. Ein Versicherungs- und Immobilienmakler bietet mit seiner "Ärztezentrum Betriebs GmbH" an verschiedenen Standorten Schnelltests an. Die Abstrichnahme werde von medizinischem Fachpersonal mittels Nasenabstrich für den Schnelltest durchgeführt, heißt es. Doch die Auswertung der Antigentestst erfolgt teils bereits nach 72 Sekunden und nicht erst nach den vorgeschriebenen 15 Minuten.

Ein Zustand, der so nicht sein dürfe, sagt Rizzoli zur TT. In zwei Videos zeigt Markus Wilhelm die Abwicklung und Auswertung der Schnelltests. Rizzoli verweist darauf, dass die zuständigen Gesundheitsbehörden bei den Bezirkshauptmannschaften alle Fälle prüfen und natürlich die entsprechenden Sanktionen erfolgen werden.

Klare Kriterien bei "Tirol testet"

Zu Missständen soll es darüber hinaus bei Testangeboten in Kaufhäusern im Raum Innsbruck gekommen sein. "Wer bei ,Tirol testet' mitmacht, muss sich klaren Kriterien unterwerfen", sagt Landesamtsdirektor Herbert Forster. Deshalb habe das Land die Überprüfung angeordnet. "Und auch die Ärztekammer eingeschaltet, denn auch standesrechtlich sind hier natürlich Fragen zu klären."

Noch deutlicher wird Gesundheitsdirektor Thomas Pollak. "Sollte es tatsächlich stimmen, dass Testergebnisse bereits nach einigen Sekunden ausgehändigt werden, ist das nicht entsprechend den Produktvorgaben und daher von Seiten des Landes Tirol scharf zu verurteilen." Sollte sich das bewahrheiten, werde man die Zusammenarbeit mit den betreffenden Anbietern sofort beenden. Pollak kündigt im Gespräch mit der TT auch an, dass sich das Land rechtliche Schritte vorbehält.

"Wir lassen es nicht zu, dass das in Tirol aufgebaute Testsystem und die vorbildliche Arbeit von zahlreichen Ärztinnen und Ärzten sowie Krankenpflegern, die die Tests umsichtig durchführen, in Misskredit gebracht werden."

Für FP-Abgeordnete Evelyn Achhorner ist indes klar: "Wenn die 'Ärztezentrum Betriebs GmbH' keine Befugnis hatte, Tests auszustellen, dann sind alle ausgestellten Test ungültig. Die Rechtsfolgen sind unabsehbar." Sie kündigte gestern politische Anfragen im Tiroler Landtag an.

Gegenüber dem ORF Tirol zeigte sich der Chef des Ärztezentrums überrascht von den Vorwürfen. (pn)


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