Theaterproduktion „Art Café“: Weder Film noch Game

Theater in virtueller Realität: Gestern starteten die Proben für die heimische Theaterproduktion „Art Café“. Premiere ist im Juli.

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Eine Ode an das, was lange vermisst wurde: Lisa Hörtnagl und Bernhard Wolf bei den Proben für das VR-Stück „Art Café“.
© Rudy De Moor

Innsbruck – Am Claudiaplatz wird seit gestern intensiv gedreht. Aufgebaut wurde dort allerdings kein klassisches Filmequipment, sondern lediglich eine Kamera, die alles rund um sich festhält – 360 Grad, horizontal und vertikal. Die heimische Theaterproduktion „Art Café“ wird nämlich in Virtual Reality (VR) produziert. Das heißt: Rezipiert werden kann das Stück lediglich mit dazupassender Virtual-Reality-Brille. Dafür wähnt sich das Publikum beim virtuellen Theatergang aber auch mitten auf der Bühne. Mitten in der Szenerie, die sich digital vor einem abspielt, nicht nur vorn, auch hinten, rechts und links. Und Zuseherinnen und Zuseher können den Verlauf steuern.

Aber noch einmal zurückspulen: Virtual Reality ist in der Gamingszene längst Realität, ebenso in Werbung, Sport oder Kunst. Das MAK in Wien schickte 2018 sein Publikum in einen virtuellen Klimt-Garten. Und Berlin vergibt den ersten VR-Kunstpreis, der explizit die Werke von VR-Künstlerinnen und -Künstlern fördert. Und in den letzten Monaten wagen sich auch Theater vermehrt in die virtuelle Realität, wenn schon Corona-bedingt ein Zusammenkommen in der analogen Realität kaum möglich ist.

Die Pandemie hat auch das Tiroler Theaterprojekt des Vereins „Hausnummer Verein für Erlesenes“ befeuert, der Plan dafür stand jedoch bereits in Prä-Corona-Zeiten. Geschrieben haben die Autorinnen Alexandra Kronberger und Anja Duschek mit „Art Café“ schlussendlich ein Post-Corona-Stück. Was passiert? In einem Kaffee treffen Charaktere und Lebensgeschichten aufeinander, treten in Beziehung zueinander, bewusst oder zufällig. Eine „Ode an das, was wir lange vermisst haben“, nennt Kronberger das Stück, in dem sie auch Regie führt.

Im Virtuellen ist das Schreiben eine Herausforderung, bestätigt Kronberger. Besonders weil das Stück keiner linearen Handlung folgt. „Art Café“ auf dem Papier in Form einer Orchesterpartitur: Im Raum passiert alles gleichzeitig – Zuschauerinnen und Zuschauer können mal hier lauschen, mal dort. Und mit ihren Entscheidungen können sie den Fortlauf der Story beeinflussen.

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Das hat sich das Stück von Videospielen abgekupfert, erklärt Produzent Valentin Sysel zum Ablauf. Es gebe mehrere Wege zum Ende. Wie einen Film, ein abgefilmtes Theaterstück kann man sich „Art Café“ also nicht vorstellen. Es ist mehr. Für ihn als Produzenten ist die gestrige Probe in der zum „Art Café“ umgemodelten Galerie am Claudiaplatz ebenso Premiere wie für die anwesenden Schauspielerinnen und Schauspieler Lisa Hörtnagl, Elke Hartmann oder Bernhard Wolf. Sysel war bisher im kommerziellen Bereich tätig, erstellte etwa für die Wirtschaftskammer VR-Content.

Im Juli soll das VR-Stück zur Uraufführung kommen. Unterstützt wird das Projekt bisher mit 26.000 Euro vom Land Tirol und der Stadt Innsbruck. Nach der Innsbruck-Premiere soll das Stück übrigens in andere Kulturlocations reisen und dort „aufgeführt“ werden. Das Publikum kann dann wenigstens virtuell ins Innsbrucker Kunstcafé reisen. Alle Infos: artcafe-vr.at (bunt)


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