Streit um Klimapolitik: Grüne Wirtschaft ruft zu Boykott der WKÖ-Beiträge auf

Um eine Facette reicher ist der Zwist zwischen Grünen und der ÖVP-dominierten Wirtschaftskammer: Weil die WKÖ „fortschrittliche Klimapolitik torpediere“, ruft die Grüne Wirtschaft nun dazu auf, die Zahlungen von Mitgliedsbeiträgen zu stoppen.

  • Artikel
  • Diskussion (1)
Vor den WKÖ-Standorten in Wien und anderen Städten finden heute Kundgebungen von "Fridays for Future" statt.
© GEORG HOCHMUTH

Wien – Der seit vier Tagen schwelende Streit zwischen den Grünen und der Wirtschaftskammer (WKÖ) über die künftige Klimapolitik ist um eine Facette reicher: Die Grüne Wirtschaft ruft zu einem Boykott der WKÖ-Mitgliedsbeiträge auf. „Die Spitzenrepräsentanten der ÖVP-dominierten Wirtschaftskammer torpedieren fortschrittliche Klimapolitik. So lange die WKÖ diesen Kurs fährt, rufen wir dazu, auf die Zahlung der Beiträge zu stoppen“ so Sabine Jungwirth, Sprecherin der Grünen Wirtschaft.

Sie habe heute selbst das Verfahren zum Einspruch gegen die Einhebung ihrer Kammerumlage mittels Schreiben an die WK Steiermark gestartet. Die vor kurzem geleakte Studie der Kammer zum Klimaschutzgesetz sei nämlich „an Ignoranz gegenüber den realen Notwendigkeiten und den wirtschaftlichen Interessen der eigenen Mitglieder kaum zu überbieten“.

ÖVP-Wirtschaftsbund sieht „Angriff gegen die Demokratie“

Die Reaktion des ÖVP-Wirtschaftsbundes auf die Aufforderung der Grünen Wirtschaft fiel heftig aus. In Richtung Jungwirth hieß es in einer Aussendung von Generalsekretär Kurt Egger: „Anscheinend haben wir es hier mit einer parteiinternen Quertreiberin und interessenspolitischen Geisterfahrerin zu tun. Wir hoffen hier inständig auf die vernünftigen Kräfte innerhalb der Grünen, hier ein Machtwort zu sprechen.“ Der heutige Boykott-Aufruf sei „ein Angriff gegen die Demokratie und die österreichische Wirtschaft“.

Karlheinz Kopf, Generalsekretär in der Wirtschaftskammer, hatte vor wenigen Tagen Vorschläge von Umweltministerin Leonore Gewessler (Grüne) zur CO2-Bepreisung als „ideologiegetriebene Bestrafungsfantasien“ bezeichnet. Und bereits seit Wochen wettern Kammervertreter gegen die Einführung einer Normverbrauchsabgabe (NoVA) für Klein-Lkw. Höchst umstritten sind auch Überlegungen, das Steuerprivileg von Diesel gegenüber Benzin abzuschaffen. Und auch eine verpflichtende Herkunftsbezeichnung für die Speisen in der Gastronomie, wie dies die Grünen fordern, wird von der Wirtschaft abgelehnt.

TT-Geburtstag: Jetzt eine von 76 Torten gewinnen

TT-ePaper gratis ausprobieren, der Gratiszeitraum endet automatisch.

Vorschläge zu Arbeitslosen sorgen zusätzlich für Spannungen

Für zusätzliche Spannungen sorgten Überlegungen des ÖVP-Wirtschaftsbundes, Langzeitarbeitslosen die Unterstützungsleistung zu kürzen und die Zumutbarkeitsbedingungen zu verschärfen. Die Grüne Klubobfrau Sigrid Maurer konterte damals ungewohnt scharf. „Egal, ob beim Klima oder bei der Arbeitsmarktpolitik, es ist ein altes, ein unsoziales Denken, das auf Ausbeutung von Mensch und Natur basiert“, meinte sie in Richtung Wirtschaftskammer und deren Präsidenten Harald Mahrer.

Demos vor Kammerstandorten

Um 13.00 Uhr findet heute vor der Wirtschaftskammer in Wien-Wieden sowie an mehreren weiteren Kammerstandorten (Salzburg, Linz, Graz, ...) eine Demo von Fridays for Future statt, auch sie richtet sich gegen die Klimapolitik der WKÖ. In Wien werden rund hundert Teilnehmer erwartet, hieß es am Freitag. (APA)


Kommentieren


Schlagworte