„Oxygène“ auf Netflix: Sauerstoffmangel mit Konzept

Im französischen Thriller „Oxygène“ kämpft Mélanie Laurent auf engstem Raum ums Überleben.

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Mélanie Laurent in Alexandre Ajas neuem Film „Oxygène“.
© Netflix

Innsbruck – Eine Geschichte darüber alleine irgendwo eingesperrt zu sein, klingt nicht nach dem idealen Corona-Kompensation-Content. In seinem klaustrophobischen Film „Oxygène“ treibt Regisseur Alexandre Aja aber genau dieses Kammerspiel-Prinzip auf die Spitze. Eine Frau wacht in einem verschlossenen medizinischen Überlebens-Pod auf und weiß weder, wo noch wer sie ist. Augenscheinlich aus einer Art Kryo-Schlaf erwacht, sinkt die Sauerstoff-Anzeige der Kammer von 35 Prozent erbarmungslos gegen null.

In den folgenden etwas zu langen 100 Minuten kämpft sie nicht nur ums Überleben. Sie versucht auch herauszufinden, wer oder was sie in diese Situation gebracht hat. Einziger Ansprechpartner ist dabei das Médicale Interface de Liaison Opérateur, kurz M.I.L.O. (sadistisch emotionslos gesprochen von Mathieu Amalric). Wenig später kommen noch Telefonanrufe dazu, die weitere Fragen aufwerfen. Ab der Halbzeit werden Teile des Rätsels gelüftet. Nur so viel: Hinter dem Thrill versteckt sich eine größere Science-Fiction.

📽️ Trailer | Oxygen (deutsch)

Die einzige Darstellerin Mélanie Laurent spielt überzeugend in durchgehenden Close-ups in ihrer Kammer, nur unterbrochen von Erinnerungsfetzen und dem Bildschirm über ihrem Gesicht. „Oxygène“ ist für einen europäischen Film technisch durchaus sauber umgesetzt und trotz des Minimalismus visuell erstaunlich beeindruckend. Physisch packend und zugleich etwas hilflos auf der Suche nach einer metaphysischen Ebene übertreibt es der Konzeptfilm nach einem Drehbuch von Christie LeBlanc mit logistisch-technischen Dialogen und verkompliziert eine an sich simple Prämisse.

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„Oxygène“ kämpft sich konsequent, aber etwas erstickt zu einem ansatzweise epischen, aber unbefriedigend skizzenhaften Ende. Das Rätselraten alleine reicht als Sauerstoff einer Geschichte dann leider doch nicht ganz. (maw)


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