Saisonstart am Kaunertaler Gletscher mitten im Frühling

Während man im Tal längst die Winterreifen gewechselt hat, den Rasen mäht und gartelt, startet der Kaunertaler Gletscher für drei Wochen in die „Wintersaison“.

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Der Kaunertaler Gletscher startete mitten im Mai noch einmal für drei Wochen in die Wintersaison – der Parkplatz war gut besetzt. Für Toni aus Schwoich (r. u.) war es der letzte Skitag dieses Winters, Andi, Kili und Toni (r. o.) waren extra aus Bayern zum Skifahren gekommen.
© Matthias Reichle

Von Matthias Reichle

Kaunertal – Günther, Martin und Julia aus Straubing saßen bereits um 5 Uhr in der Früh im Auto, Catherina aus Sautens und Tanja aus Alpbach hatten sogar die ganze Nacht am Gletscher campiert – und all das nur, um noch einmal die heißgeliebten Brettln und Boards anschnallen zu dürfen.

Während sich die meisten im Frühlingsmodus befinden, ihre Winterreifen bereits gewechselt haben und überall die Tulpen blühen, startete der Kaunertaler Gletscher in die „Wintersaison“. Nach dem Lockdown im November hatte das Skigebiet nicht mehr aufgesperrt. Jetzt soll noch einmal Winterfeeling aufkommen – für drei Wochen.

Der Parkplatz war gestern Vormittag bereits gut gefüllt – vor allem mit Fahrzeugen mit deutschem Kennzeichen. „Es ist einfach klasse, dass es hier noch einmal geht“, strahlten Benjamin und Nikolaus. Zweieinhalb Stunden sind die beiden Allgäuer für ihren ersten Skitag dieser Saison im Auto gesessen. „In Deutschland war es nicht möglich, die Grenzsituation kompliziert“, betonen die beiden – bis jetzt. Auch für Andi aus der Nähe von Oberammergau, ist es der erste Lifttag. „Ich hätte vor 14 Tagen noch nicht geglaubt, dass wir hier Ski fahren können“, spricht er die erst seit Mittwoch gelockerten Einreiseregelungen aus Deutschland an.

Streng kontrolliert wurde allerdings auch am Gletscher. Jeder, der die Gletscherstraße hinauffahren wollte, muss erst einen negativen Test vorweisen. Ein scharfes Auge hat auch Liftwart Ferdl bei der Talstation des Nörderjoch-Lifts auf seine Kundschaft – kompromisslos wurde an die Maskenpflicht erinnert. „Bis jetzt sind sie brav“, schmunzelt er. Man achte sehr auf Sicherheit „Wir werden auch jeden zweiten Tag getestet.“

Auf den Pisten waren nicht nur viele Ski-Fanatiker unterwegs, sondern auch zahlreiche Trainingsgruppen. Über 20 Skiklubs hatten sich für den ersten Skitag angemeldet, betont Daniel Frizzi, Sprecher des Kaunertaler Gletschers. Aber auch viele Einheimische hatten auf die Öffnung hart gewartet, nachdem seit Anfang November 2020 geschlossen war.

Für das Skigebiet war der vergangene Winter freilich katastrophal, betont Frizzi. „Wir hatten einen Totalausfall.“ Ohne Gastronomie sei ein Skibetrieb am Gletscher aber nicht möglich gewesen. „Wenn man sieht, wie die Leute jetzt eine Gaudi beim Skifahren haben, ist das ein Motivationsschub für uns.“ Angesichts der Schneebedingungen sei es zudem „ewig schade“, jetzt nicht zu starten. Zwei Schlepplifte und eine Seilbahn waren gestern geöffnet. Man werde noch bis 6. Juni offen halten und startet am 7. Juni ohne Unterbrechung in die Sommersaison, so Frizzi.

Immerhin dreieinhalb Meter Schnee hatte es noch am Berg. „Es geht traumhaft“, schwärmte Günther aus dem Bayerischen Wald von den Pistenverhältnissen. Für seinen 115. und letzten Skitag dieses Winters war Toni aus Schwoich bei Kufstein ins Kaunertal gefahren. Der Snowpark hatte es Catherina und Tanja angetan. Sie waren am Vorabend angereist. „Wir haben im Auto geschlafen“ – um den Skitag relaxt und früh zu starten.

Und sie waren nicht die Einzigen. So einige fanatische Skifans dürften am Gletscher campiert haben – wie Johanna und „J“, die sich für ein verlängertes Wochenende zum Snowboarden und Chillen am Berg eingerichtet hatten. Mit dem Wohnmobil waren auch Roli und Alex aus dem Paznaun da. Seit gestern gehe es aber rund – da war „Anreisetag“. Mehrere Camper seien am Abend angekommen, erzählen die beiden. Die Stimmung am Gletscher sei gut. „Wir werden noch eine Woche bleiben“, erklärt Alex: „Ich brauche jetzt Sonne.“


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