Plus

Kluft in der Koalition: Strategie, Taktik und Eigendynamik

Das Beste aus beiden Welten. So kündigte ÖVP-Obmann Sebastian Kurz die Zusammenarbeit mit den Grünen an. Doch 17 Monate später: laufende Ermittlungen gegen ÖVP-Politiker sonder Zahl, Hausdurchsuchungen, verstörende Chats. In der Koalition öffnet sich eine tiefe Kluft. Ein Abriss.

  • Artikel
  • Diskussion (1)
Seit knapp 17 Monaten versuchen Kanzler und ÖVP-Obmann Sebastian Kurz und Vizekanzler und Grünen-Chef Werner Kogler den Gleichschritt. Doch die Synchronizität ist seit Wochen gestört.
© APA

Von Michael Sprenger

Das spricht für Neuwahlen

Vor zwei Jahren wurde das Ende des Kabinetts Kurz I besiegelt. Und jetzt? Nach Bekanntwerden des unsäglichen Ibiza-Videos herrschte Schockstarre vor. Doch schon im Laufe des 19. Mai war die Richtung vorgegeben. Neuwahl! Doch es war der Rache des gefallenen Koalitionspartners FPÖ und den von Strategie befreiten Oppositionsparteien SPÖ und Liste Pilz geschuldet, dass der vorgezeichnete Weg der ÖVP zu den Wahlurnen nicht beschritten wurde. Was letzten Endes den Türkisen in die Hände spielte: Sturz der Regierung Kurz, Expertenregierung, Neuwahl, Triumph des Sebastian Kurz, Bildung einer Koalition mit den Grünen. Kurz hatte im Wahlkampf eine an Jörg Haider erinnernde Grunderzählung verwendet. Dessen plakative Botschaften wurden adaptiert. „Rot-Blau hat bestimmt. Das Volk wird entscheiden. Unser Weg hat erst begonnen.“ Seit Bekanntwerden der Ermittlungen gegen Kurz wird diese Grunderzählung – er, der Kanzler des Volkes, soll erneut von bösen Kräften gestürzt werden – fortgeschrieben. „Weil man ihn und uns bei Wahlen nicht besiegen kann, versucht man es halt vor Gericht.“ (Elisabeth Köstinger)


Kommentieren


Schlagworte