Venet-Rochade: Millinger geht, Siegele kommt

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Der erfahrene Seilbahner Walter Siegele war bereits Betriebsleiter bei der Venet Bergbahnen AG, die er als Vorstand führt.
© Helmut Wenzel

Zams – „Wir konnten mit Walter Siegele einen ausgewiesenen Seilbahn-Experten für das Unternehmen gewinnen“, teilte Landecks Vizebürgermeister Thomas Hittler und Aufsichtsratsvorsitzender der Venet Bergbahnen am Freitagabend mit. „Er kennt das Potenzial rund um den Hausberg der Landecker und Zammer sehr gut.“

Der Beschluss des Aufsichtsrates, Siegele mit 1. August ins Boot zu holen, sei einstimmig gefallen. Womit auch die Ablöse des bisherigen Vorstandes Werner Millinger beschlossene Sache ist. Auf den vorzeitigen Ausstieg Millingers aus dem Dienstvertrag habe man sich laut Hittler „im guten Einvernehmen“ geeinigt. Er bedanke sich beim scheidenden Vorstand für dessen Einsatz in den vergangenen Jahren. Millinger habe „Verantwortung für eine von Beginn an anspruchsvolle Aufgabe getragen“. Zudem habe er das Unternehmen „in einer äußerst angespannten Situation unter Pandemie-Rahmenbedingungen“ geführt.

Walter Siegele.
© Helmut Wenzel

Faktum ist, dass Millinger bei den Hauptaktionären (Stadtgemeinde Landeck und Gemeinde Zams) wiederholt Kritik ausgefasst hat. Mandatare machten ihn in Gemeinderatssitzungen für „Fehlinvestitionen und Fehlentwicklungen“ verantwortlich. Als schärfster Kritiker erwies sich der Zammer LA Benedikt Lentsch (SPÖ), der „Unstimmigkeiten und fragwürdige Entscheidungen“ aufzeigte. Lentsch forderte heuer zu Jahresbeginn die „kompromisslose Ablöse der operativen Venet-Führung“. Der freiheitliche Zammer Mandatar Mathias Venier hatte „hohe Marketing-Kosten“ angeprangert.

Die Erwartungen an den neuen Chef der größte Freizeiteinrichtung im Talkessel Landeck-Zams sind hoch. Siegele steht vor der Aufgabe, den Seilbahnbetrieb zukunftsfit zu machen. In der Mitteilung zur Aufsichtsratssitzung am Freitag heißt es dazu pragmatisch: „Die Personalentscheidung wurde aufgrund der seilbahnerischen Erfahrung und kaufmännischen Kompetenz von Walter Siegele getroffen.“ In vielen Gesprächen habe man jedoch gefühlt, „dass sein Herz für den Venet schlägt“, hob der Aufsichtsratsvorsitzende hervor. „Schon jetzt schnuppert er im Betrieb, um sich einen Überblick zu verschaffen.“ Zudem werde er die Erfahrungen aus dem erfolgreichen Seilbahn-Unternehmen in Sölden einbringen.

Der Venet-Aufsichtsrat will, so Hittler, nach der zuletzt schwierigen Situation „den Kurs, die strategische Ausrichtung und die Betätigungsfelder des Unternehmens von Grund auf diskutieren“. Dabei müsse man „in kleinen Dimensionen“ agieren. Dennoch sei Optimismus angesagt: „Unser Hausberg Venet ist attraktiv und hat viel Entwicklungspotenzial.“

In ihrer 55-jährigen Geschichte war die Venet Bergbahnen AG aus eigener Ertragskraft nie überlebensfähig. Wiederholt mussten und bis heute müssen die Hauptaktionäre Zuschüsse aus Steuergeld beschließen. (hwe)


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