Kolumbianischer Giro-Dominator Egan Bernal besticht mit Angriffsgeist

Nach seinem Solosieg auf der Königsetappe am Montag in Cortina d'Ampezzo hat der Profi des Ineos-Teams 2:24 Minuten Vorsprung auf Damiano Caruso (ITA) und 4:18 auf Aleksander Wlasow (RUS).

  • Artikel
  • Diskussion
Egan Bernal fährt dem Giro-Gesamtsieg entgegen.
© LUCA BETTINI

Canazei - Der Kolumbianer Egan Bernal ist drauf und dran, mit dem Giro d'Italia seine zweite große Landes-Rundfahrt nach der Tour de France 2019 zu gewinnen. So ruhig der 24-jährige Radprofi des Ineos-Teams im Leben auftritt, so angriffslustig präsentiert er sich auf der Rennstrecke. Nach seinem Solosieg auf der Königsetappe am Montag in Cortina d'Ampezzo hat Bernal 2:24 Minuten Vorsprung auf Damiano Caruso (ITA) und 4:18 auf Aleksander Wlasow (RUS).

"Ich denke, Angriff ist immer die beste Verteidigung. Ich werde nicht abwarten", hatte Bernal angekündigt. Die kompromisslose Attacke am mehr als 2.200 Meter hohen Passo Giau vor dem zweiten Ruhetag am Dienstag zeigte, dass dies nicht nur leere Worte waren. "Das war eine ziemlich draufgängerische Aktion. Wir sind sehr stolz auf ihn", lobte Teamchef David Brailsford.

Bernal meinte, er habe etwas Besonderes machen wollen. "Ich wollte zeigen, dass ich zurück im Spiel bin", sagte der leichtgewichtige Kletterspezialist. Er hat zwei harte Jahre hinter sich. Als er 2019 als erster Südamerikaner die Tour gewann, sahen viele Experten in ihm den kommenden Dominator. Doch dann streikte der Körper. Im Vorjahr stieg Bernal bei der Tour mit Rückenproblemen vorzeitig vom Rad und fuhr danach fast sieben Monate lang kein Rennen mehr.

Seine Krise hat Bernal überwunden. Ein Grund dafür ist seine mentale Stärke, von der er neben den exzellenten körperlichen Voraussetzungen auch im Rennen zehrt. "Mir gefällt es auch, wenn es hart wird, wenn man Willen braucht. Dann kann man ein Spektakel liefern", erklärte der zweifache Etappensieger bei seinem Giro-Debüt.

3 x Futterkutter-Kochbuch zu gewinnen

TT-ePaper gratis ausprobieren, der Gratiszeitraum endet nach 4 Wochen automatisch.

Die Herzen der Italiener hat Bernal längst erobert. Durch seine Zeit beim Team Androni (2016/17) spricht er ihre Sprache und manche ziehen bereits Vergleiche zu Marco Pantani. Der 2004 an einer Überdosis Kokain gestorbene Tour- und Giro-Sieger war ein Kindheitsidol des in einem Armenviertel aufgewachsenen Bernal.

"Ein Bild von Pantani war auch das Einzige, was ich an Radsportsachen in meinem Kinderzimmer hatte, insofern freuen mich die Vergleiche", sagte Bernal. "Ich will aber Pantani nicht kopieren." Verständlich, denn "Il Pirata" feierte seine Erfolge in der Hochzeit des Dopings. Bernal hat sich von verbotenen Mitteln stets distanziert, einen konkreten Verdacht gegen ihn gab es bisher nicht.

Die 17. Etappe führt am Mittwoch von Canazei zur Bergankunft in Sega di Ala. (APA/dpa)

Etappe des Giro d'Italia nach Gondel-Absturz geändert

Nach dem tödlichen Seilbahn-Unglück am Monte Mottarone haben die Veranstalter der Rad-Rundfahrt Giro d'Italia die Strecke für die am Freitag geplante Etappe geändert. Das 19. Teilstück war mit einem anspruchsvollen Anstieg über den Monte Mottarone in der norditalienischen Region Piemont geplant gewesen. Darauf wird nun als Zeichen des Respekts vor den 14 Opfern verzichtet.

Es sei angebracht, nach dem Unglück die Etappe des Giro d'Italia zu ändern, hatte der italienische Verkehrsminister Enrico Giovannini am Dienstag zuvor gefordert. Die neue Route sei 166 km lang, und der Start solle im Ort Abbiategrasso, westlich von Mailand erfolgen, hieß es nun. Die Mottarone-Etappe hätte zu den anspruchsvollsten Strecken des Giro d'Italia gezählt.

Am Monte Mottarone war am Sonntag eine Gondel aus bisher ungeklärter Ursache abgestürzt. Insgesamt 14 Menschen, darunter auch Kinder, waren dabei gestorben.


Kommentieren


Schlagworte