Pandemie-Jahr 2020 forderte Bewährungshilfe in Tirol

Die Pandemie hatte Einfluss auf die Deliktsbegehung, trotzdem gab es beim Verein Neustart einen Zuwachs auf 630 Klienten.

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Letztes Jahr wurden in Tirol 11.800 Hafttage per Fußfessel verbüßt. Nur fünf Träger setzten Verstöße.
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Von Reinhard Fellner

Innsbruck – Das Jahr 2020 hatte Auswirkungen auf alle Bereiche der Gesellschaft. Dies spürten auch die Sozialarbeiter der Bewährungshilfe Neustart gleich auf mehreren Ebenen. Langweilig wurde den 28 hauptamtlichen und 60 ehrenamtlichen Tiroler Bewährungshelfern jedoch nicht – ganz im Gegenteil.

Im Gespräch mit der TT führte Kristin Henning, Leiterin Neustart Tirol, für das Pandemie-Jahr sogar einen Zuwachs auf 630 betreute Klienten an.

In verschiedenen Bereichen waren 2020 aber eklatante Rückgänge zu verzeichnen. Dies betrifft laut der Neustart-Leiterin „vor allem typische situative Konflikte“, also den pandemiebedingten Rückgang von Drohungen oder Körperverletzungen durch Ausfall von Nachtgastronomie oder Zeltfesten. Sonst bei Ersttätern oftmals gerne gewährte Diversionen oder der Tatausgleich gingen als vorstrafenvermeidende Instrumente stark zurück. So war es 2020 in Tirol zu 430 Tatausgleichen gekommen, was einem Rückgang von 13 Prozent entspricht.

Auch die Vermittlung gemeinnütziger Leistungen anstelle von Verurteilungen ging schon mangels geeigneter Einrichtungen stark zurück, die Fristen zur Erbringung waren deshalb vom Justizministerium sogar ausgesetzt worden. Dazu wird dieses Sanktionsinstrument gerne für Delikte wie Sachbeschädigungen im öffentlichen Bereich in alkoholisiertem Zustand oder etwa Ladendiebstähle verwendet. Auch derartige Taten kommen im Lockdown schlicht seltener vor.

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Eines machte indes auch (oder gerade) vor den Neustart-Klienten nicht Halt: „Bei längeren Betreuungen merken wir natürlich mittlerweile auch, das die Klienten zunehmend unter der wirtschaftlichen Ungewissheit, der psychischen Belastung durch Ängste und den Einschränkungen leiden. Ein sehr schwieriges Jahr, umso mehr bedanken wir uns bei allen gemeinnützigen Einrichtungen“, so Neustart-Leiterin Henning.

Erfreulich entwickelte sich in Tirol hingegen die Anwendung der Fußfessel. So konnte 2020 mit 11.800 Tagen die Zeit im elektronischen Hausarrest gegenüber 2019 um 1000 Tage übertroffen werden. Beachtlich laut Henning: Im ganzen Jahr kam es bei der Fußfessel lediglich zu fünf Abbrüchen.


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