Ein Klima-Kompass für Tirol und die Einordnung

Die schwarz-grüne Landesregierung hat sich eine neue Klima- und Nachhaltigkeitsstrategie verpasst.

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Die neue Klima- und Nachhaltigkeitsstrategie soll die Richtung für Tirol bis 2030 vorgeben.
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Innsbruck – Es ist ein komplexes Thema, zugegeben. Und doch gewann man gestern bei der Präsentation der neuen Klima- und Nachhaltigkeitsstrategie für Tirol den Eindruck, dass sich selbst die Vortragenden mit der Benennung daraus abzuleitender, konkreter Ziele und Vorgaben etwas harttaten. Zumindest über solche hinaus, die nicht ohnedies bereits etwa in paktierten und somit in Zahlen und Aufträgen gegossenen Aktionsprogrammen wie etwa der „Tiroler Energieautonomie 2050“, dem österreichischen Weg in die „Klimaneutralität 2040“ oder gar in den Pariser Klimazielen kommuniziert und somit bekannt wären. LHStv. Ingrid Felipe (Grüne) und Wirtschaftslandesrat Anton Mattle (VP) bemühten sich redlich, diese neue Strategie, verschriftlicht in gut 80 Seiten, als eine Art „Kompass“ zu verkaufen, welcher dem Land bis zum Jahr 2030 eine neue Ausrichtung geben soll. Hierzu müsste der Kompass freilich aber zuerst auch allgemeinverständlich eingeordnet sein – was aus gestriger Sicht aber wohl hinterfragenswert erscheint.

Die Strategie, so heißt es, solle „als Wegweiser für die Transformation hin zu einer nachhaltigen und klimafreundlichen Wirtschaft und Gesellschaft“ dienen. Und weiter ging es in Metaphern. Man habe damit „den Grundstein für einen langfristigen Prozess gelegt, durch welchen Tirol als lebenswertes, sozial gerechtes, ökologisch vielfältiges und wirtschaftlich leistungsfähiges Land erhalten und gestärkt“ werde.

Dem nun vorliegenden Konvolut liegt eine umfangreiche Genese zugrunde. Eine, die auf der Auswertung von 1400 Online-Fragebögen, umfassenden Gesprächen mit Vereinen, Institutionen, Wissenschaft oder auch Sozialpartnern sowie letztlich einer öffentlichen Begutachtung basiert.

Als zentrale Handlungsfelder wurden die Bereiche Energie/Klimaschutz, Mobilität/Infrastruktur, Gebäude und Raumordnung, Wirtschaft/Regionalentwicklung, Klimawandelanpassung und Landesverwaltung definiert. Von der Festlegung auf quantitative Ziele habe man teils bewusst Abstand genommen, spielte Felipe unter anderem auf den – derzeit pandemiebedingt eingeschränkten – Verkehr an. Stattdessen sei die Strategie „lernend“ und auf qualitative Ziele ausgelegt. Diese sollen entlang von zehn definierten Leitlinien erreicht werden. „Sozial verträglich und gesellschaftlich akzeptiert“, wie Felipe betonte. Doch wie Felipe so vermied auch Mattle auf Nachfrage, genauere Zielfestlegungen zu benennen. Vielmehr verwies man darauf, dass selbige jetzt auf drei je dreijährige Maßnahmen-Umsetzungspakete herabzubrechen seien. Das erste soll 2022 an den Start gehen. Eine Überprüfung soll durch eine regelmäßige Evaluierung erfolgen.

Im Energiebereich brauche es noch größere Anstrengungen. Fürchten bräuchten sich die Tiroler davor aber nicht, so Felipe: „Klimaschutz und Nachhaltigkeit müssen nicht wehtun.“ (mami)


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