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Israelische Zeitung titelte mit Bildern 67 in Gaza getöteter Kinder

Die linksliberale Zeitung Haaretz druckte die Gesichter der durch israelische Angriffe getöteten Kinder ab. "Das ist der Preis des Kriegs", so der Titel. Die UNO will die Angriffe überprüfen und stellt mögliche Kriegsverbrechen in den Raum.

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In Gaza werden die Aufräumarbeiten noch lange andauern.
© MOHAMMED ABED

Tel Aviv – Knapp eine Woche nach Beginn der Waffenruhe im Gaza-Konflikt hat eine israelische Zeitung die Bilder von 67 palästinensischen Kindern und Jugendlichen veröffentlicht, die bei dem jüngsten Waffengang getötet worden waren. „Das ist der Preis des Krieges" schrieb die linksliberale Zeitung Haaretz am Donnerstag neben den Bildern auf ihrer Titelseite.

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Das Blatt veröffentlichte in Zusammenarbeit mit der New York Times Fotos, Alter und Geschichten der Opfer im Alter von sechs Monaten bis 17 Jahren. Nach einem elftägigen Konflikt hatten sich Israel und die im Gazastreifen herrschende Hamas unter Vermittlung Ägyptens auf eine Waffenruhe verständigt. Diese trat in der Nacht zum Freitag in Kraft. Die jüngste Eskalation folgte auf Zusammenstöße zwischen Palästinensern und israelischen Sicherheitskräften am Tempelberg (Al-Haram al-Sharif) in Jerusalem und im arabisch geprägten Osten der Stadt.

Israel ließ Ultimatum verstreichen, daraufhin flogen die Raketen

Die Hamas hatte Israel per Ultimatum aufgefordert, unter anderem die Sicherheitskräfte vom Tempelberg abzuziehen. Als Israel dem nicht nachkam, feuerten militante Palästinenser am 10. Mai Raketen auf Jerusalem ab. Im Zuge des Konflikts waren es insgesamt mehr als 4.360. Dabei wurden in Israel 13 Menschen getötet, darunter ein Fünfjähriger und eine 16-Jährige.

Israel reagierte mit massiven Angriffen in dem Küstengebiet. Dabei wurden nach Angaben des Gesundheitsministeriums in Gaza insgesamt 254 Palästinenser getötet, etwa ein Viertel davon Minderjährige. Nach Angaben der israelischen Armee kamen Kinder im Gazastreifen auch durch fehlgeleitete Raketen militanter Palästinenser ums Leben. Sie wirft der Hamas zudem vor, Zivilisten gezielt als menschliche Schutzschilde zu missbrauchen. Mehr als 200 der Getöteten waren nach israelischen Militärangaben militante Kämpfer.

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UNO verurteilt Luftangriffe Israels: Möglicherweise Kriegsverbrechen

Die UN-Hochkommissarin für Menschenrechte Michelle Bachelet verurteilte die jüngste Gewalt im Gazastreifen und den von Israel besetzten Gebieten. Sollte sich herausstellen, dass Israels Luftangriffe im Gazastreifen in Bezug auf Folgen für Zivilisten und zivile Einrichtungen "wahllos und unverhältnismäßig" erfolgt seien, könnte es sich um Kriegsverbrechen gehandelt haben, so Bachelet am Donnerstag in Genf in einer Sondersitzung des UN-Menschenrechtsrats.

Bachelet warf israelischen Sicherheitskräften unverhältnismäßige Gewalt vor, um Demonstrationen gegen drohende Zwangsräumungen von palästinensischen Familien in Ostjerusalem zu beenden. Auch die Hamas habe mit dem wahllosen Abfeuern von Raketen auf Israel humanitäres Völkerrecht verletzt, sagte Bachelet. Es sei auch illegal, militärisches Material in dicht besiedelten Gebieten zu stationieren. Israel behaupte, die anschließenden Luftschläge im Gazastreifen hätten Gebäuden gegolten, die militärisch genutzt wurden. "Wir haben dafür keine Beweise gesehen", sagte Bachelet. (APA, dpa)

Hilfsorganisation ortet großen Bedarf für psychologische Hilfe

Die humanitäre Hilfsorganisation CARE sieht großen Bedarf für psychologische Hilfe für die Bevölkerung im Gazastreifen. Mitarbeiter der Organisation berichteten am Donnerstag in einer Video-Konferenz aus Gaza und Ramallah über die aktuelle Situation nach Eintreten der Waffenruhe.

Wael Ibrahim, dem Länderdirektor von CARE Palästina, zufolge sind vor allem Kinder stark betroffen. Eines von drei Kindern im Gazastreifen leide unter psychologischen Stresssymptomen. Ibrahim bezog sich auf jüngst erhobene Zahlen des Amtes der Vereinten Nationen für die Koordinierung humanitärer Angelegenheiten (OCHA), wonach in Gaza durch die israelischen Angriffe 77.000 Menschen vorübergehend ihre Wohnungen verlassen mussten.

Die Nothelferin Salwa Tibi, CARE-Mitarbeiterin in Gaza-Stadt, sieht den Grund für die massiv auftretenden psychologischen Probleme, nicht nur bei den Kindern in der Art, in der die israelischen Angriffe diesesmal durchgeführt wurden: "Die Bombenangriffe hinterließen einen starken Eindruck. Nirgendwo in Gaza konnten sich die Menschen sicher fühlen, nicht einmal in den eigenen vier Wänden." Sie habe von Leuten gehört, die ihre Kinder an verschiedene Orte gebracht hätten, damit sie nicht die ganze Familie verlieren würden.

Tatsächlich geht aus dem OCHA-Bericht anhand der Verwundeten-Zahlen nach Gebieten indirekt hervor, dass sich die israelischen Angriffe zwar auf die Gebiete unmittelbar an der Grenze zu Israel konzentrierten, aber insgesamt Ziele im gesamten Gazastreifen bombardiert wurden.


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