Soja, Kaffee & Co.: „Spur der Zerstörung“ durch Lebensmittel-Importe

Westlicher Lebensmittelkonsum bedroht in Ursprungsländern Tierarten und zerstört Ökosysteme. Hoher Fleischkonsum ist größter Wald-Killer.

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Der Import-Hunger der Industrieländer zerstört Tropenwälder und bedroht gefährdete Tierarten wie Sumatra-Tiger oder Orang-Utans.Fotos: AFP, Reuters, APA

Wien – Soja, Kaffee, Kakao und Co. – Lebensmittel-Importe heizen das globale Artensterben an und zerstören enorm große Ökosysteme. Das ist das Fazit einer neuen Studie des Forschungsinstituts für biologischen Landbau (FiBL) in Kooperation mit der Universität für Bodenkultur (BOKU) in Wien. Anhand von sechs nach Österreich importierten Produkten wurden die Auswirkungen der Herstellung dieser Lebensmittel auf die Ursprungsländer untersucht.

„Was bei uns auf den Tellern landet, zieht eine Spur der Zerstörung durch die ganze Welt“, kritisiert Sophie Lampl, Programmdirektorin bei Greenpeace Österreich. Betroffen sind Gebiete wie die indonesische Insel Sumatra, die brasilianische Savanne Cerrado oder der Amazonas-Regenwald. Allein für die sechs beispielhaften Güter wird eine Fläche größer als das Burgenland verbraucht. In den Anbaugebieten könnten etwa Sumatra-Tiger, Orang-Utans oder die Baumart Palo Santo für immer von diesem Planeten verschwinden.

„Wir sind schnell dabei, beim Klimaschutz zu sagen, dass einmal China damit beginnen soll“, kritisiert Anita Malli, Geschäftsführerin der Umweltinitiative „Mutter Erde“. Die Studie zeigt hingegen jene Umweltzerstörung, „die in anderen Teilen der Welt stattfindet und auf unseren Tellern landet“. Laut dem Report führt der – gerade auch in Österreich – nicht nachhaltige Konsumstil der Industrieländer zu einer Landwirtschaft, die Artensterben und Biodiversitätskrise anheizt.

Mit dem Import großer Mengen an Soja als Futtermittel für die Viehwirtschaft, Palmöl, Kaffee, Kakao, Bananen oder Zuckerrohr werden als Folge in den Ursprungsländern Tropenwälder, Savannen und andere Ökosysteme in enormem Ausmaß zerstört, um als Anbaufläche dienen zu können. „Zu den wichtigsten Treibern von Tropenwaldabholzung zählt der hohe Fleischkonsum auf EU-Ebene wie auch in Österreich“, sagt Studienautor Martin Schlatzer vom FiBL. Dabei gebe es bereits viele gesunde und ökologisch verträglichere Alternativen – etwa Fleischalternativen aus Erbsen, Kaffee aus Lupinen und Carob statt Kakao.

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Ganz oben auf der Liste steht jedoch eindeutig Soja: „Soja ist der Haupttreiber in puncto Entwaldung im Amazonas oder in Argentinien“, so Schlatzer. Die Bohnen werden importiert, um die Eiweißlücke in der Tierhaltung zu schließen. Ein Reduktion des Fleischkonsums um zwei Drittel wäre notwendig, um diesen Mehrbedarf einzusparen.

Damit sich etwas ändert, müsste laut Greenpeace die Politik auf EU-Ebene Gesetze schaffen, wie aktuell eines für den globalen Waldschutz ausgearbeitet wird. Zudem müssten die Unternehmen Verantwortung übernehmen – und letztendlich auch der Konsument. (APA)


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