Comeback, freudvoll drückend: „Marmen Quartet“ im Haus der Musik

Das „Marmen Quartet“ zu Gast beim Kammerkonzert im Haus der Musik: Gehaltvoll, beeindruckend und mit einem Lächeln auf den Lippen.

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Das „Marmen Quartet“ als blendender Einspringer in Innsbruck. Johannes Marmen, Ricky Gore, Mikayel Hakhnazary und Bryony Gibson-Cornish (v. l.).
© Kammerkonzerte

Von Markus Schramek

Innsbruck – Angesetzt war das Brentano String Quartet, ins Haus der Musik geschafft hat es schließlich ein anderes Musikergeviert, das Marmen Quartet. Flexibilität ist in Zeiten wie diesen eben das Gebot der Stunde. Die maskierten Besucher sind Freitagabend erleichtert, überhaupt wieder ein Kammerkonzert erleben zu können, das erst zweite der Saison nach jenem im Oktober.

Das Marmen Quartet, benannt nach dem Ersten Violinisten Johannes Marmen, ist der erwartbar exzellente Einspringer, gewissermaßen eine Bank: Das junge, 2013 in London gegründete Ensemble hat in der dicht besetzten Welt der Streichquartette mehrfach Preise abgeräumt.

Mit Joseph Haydns Streichquartett in Es-Dur op. 64 startet der Abend in der genau richtigen Stimmung: Optimistisch bis freudvoll, denn nun sollen für die Kultur ja wieder bessere, freiere Zeiten anbrechen.

Höhepunkt des Konzerts, aufgrund beschränkter Saalkapazität zweimal in Serie gespielt, ist das als „Kreutzersonate“ bekannte Streichquartett von Leoš Janácˇek.

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Wer die Chance hatte, Janácˇeks Oper „Katja Kabanowa“ am Landestheater zu sehen, kann hier gleich nahtlos anschließen. Wieder geht es um das vertonte Schicksal einer leidgeprüften Frau, die aus einer unglücklichen Beziehung zu entrinnen versucht. Das Marmen Quartet macht die Zerrissenheit, den inneren Kampf, die Sehnsucht dieser Frau in vier Sätzen fast schon körperlich spürbar – eindrucksvoll und tief berührend.

Das Schlusswort hat Johannes Marmen. Nach einer derart langen Spielpause würden die (frisch polierten) Konzertschuhe ein wenig schmerzen, befindet er lächelnd. Er ist wohl nicht der Einzige im Saal, den das lange im Schrank verstaute Ausgeh-Schuhwerk bei der ersten Wiederanprobe ein wenig drückt.


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