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Wahrheit liegt nicht im Wein: Es muss nicht immer teuer sein

Mogeln lohnt sich. Jedenfalls bei Weinen. Je teurer sie sind, desto besser scheinen sie zu schmecken. In Wirklichkeit lassen Kunden sich von fiktiven Preisen, aufgedruckten Wappen und Eseln in die Irre führen.

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Von Judith Sam

Hätten Poeten wie Goethe oder Schiller Inspiration gesucht, sie hätten nur auf Weinflaschen schmökern müssen. Die edlen Tropfen werden nicht nur als wohlschmeckend angepriesen. Weit gefehlt. Auf deren Etiketten ist die Rede von „Süßklee-Aromen“, von „wilden Feigen, die auf der Zunge dunkle Nuancen entfalten“, diese umschmeicheln, betören und schließlich in „unergründlicher Dichte über den Gaumen“ abgehen. Fragt sich, ob der Gaumen zu würdigen weiß, wenn er von einem „Hauch Lavendel umspielt“ wird?

Wahre Lyrik. Ein derart vielversprechender Wein darf ruhig 100 Euro pro Flasche kosten. Oder nicht? Diplom-Sommelier Andreas Sigwart ist nicht der Meinung, dass viel Getöse am Etikett hohe Preise rechtfertigt: „Die Aufmachung einer Flasche sagt nichts über die Qualität des Inhalts aus, mögen Haptik, Gewicht, Aufschrift oder Wahl des Korkens noch so vielversprechend wirken.“


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