Experten kritisieren regionalisiertes Corona-Krisenmanagement

  • Artikel
  • Diskussion
Auch die „verländerte Impfstrategie“ in Österreich wird im Expertenreport kritisch gesehen.
© imago

Innsbruck, Wien – Der Befund im vorliegenden Expertenreport „Föderalismus im Gesundheitswesen. Schwächen des Covid-19-Krisenmanagements“ der Gesundheitsökonomen Maria Hofmacher-Holzhacker und Christopher Singhuber von der „Austrian Health Acadenmy“ in Wien ist eindeutig: Die Regionalisierung des Covid-19-Krisenmanagement führte im Herbst 2020 zu erheblichen Verzögerungen in der Umsetzung der Kontaktnachverfolgung und zu unterschiedlichen Impfstrategien in den Bundesländern. Ihre Empfehlung: „Um Vor- und Nachteile der Föderalisierung des Krisenmanagements aufzuarbeiten, sollte ein Ausschuss eingerichtet werden, der Zuständigkeiten und Verantwortungen im Gesundheitswesen auf neue Grundlagen stellt. Dies erfordert eine strukturierte Debatte über die föderal angelegte Struktur des Gesundheitssystems und sollte Wege aufzeigen, wie die Steuerung des Gesundheitssystems verbessert werden kann, damit Erkrankung und Tod, die durch Systemschwächen entstehen, vermeidbar werden.“

Laut dem Report folgte auf den Zusammenbruch der Kontaktnachverfolgung in Österreich bei gleichzeitig steigender Anzahl an Infektionen bekanntlich Ende November ein neuerlicher harter Lockdown. Schließlich ist die Aufklärungsquote von 65 Prozent der neuen Fälle auf 19 Prozent Mitte November gefallen.

Kritisch gesehen wird auch die Impfstrategie von Bund und Ländern. Der Bund habe entgegen seiner Möglichkeiten vor allem in Zusammenhang mit der Impfung dem Druck der Bundesländer nachgegeben. „Jedes Bundesland hat seine eigenen Impfkulturen aufgebaut“, merken Hofmacher-Holzhacker und Singhuber an. So eine Situation sei der starken Machtstellung der Bundesländer in der Steuerung des Gesundheitssystems geschuldet. Noch, so die Autoren, ist unklar, wie erfolgreich die dezentralisierte österreichische Impfkampagne ist. „Jedenfalls ist zu hoffen, dass sie besser organisiert ist als die Kontaktnachverfolgung Ende 2020.“ (pn)


Kommentieren


Schlagworte