Stärkster Einbruch aller Bundesländer: Corona bremst Tiroler Wirtschaft

Tirol musste in der Corona-Krise den stärksten Wirtschaftseinbruch aller Bundesländer verkraften und wird heuer laut einer Bank-Austria-Prognose das geringste Wachstum verzeichnen.

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Vor allem der Bausektor und die Industrie sollen heuer die Wachstumstreiber der österreichischen Wirtschaft sein.
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Wien, Innsbruck – Die Ökonomen der Bank Austria rechnen ab dem zweiten Halbjahr mit einer beschleunigten wirtschaftlichen Erholung in Österreich, erwarten aber speziell für 2022 einen kräftigen Aufschwung. Nach 6,3 Prozent Rückgang im Vorjahr sollte das Bruttoinlandsprodukt (BIP) heuer um 3,2 Prozent zulegen und kommendes Jahr um 5,4 Prozent, sagte Chefökonom Stefan Bruckbauer am Dienstag. Das Vorkrisenniveau werde die Wirtschaftsleistung aber erst in knapp einem Jahr wieder erreichen. Die wirtschaftliche Erholung dürfte in Tirol wegen der starken Abhängigkeit vom Tourismus etwas langsamer vonstattengehen als im Bundesschnitt.

Bereits der Wirtschaftseinbruch war 2020 in Tirol mit 8,7 Prozent deutlich heftiger. Vor allem das starke Minus im Bereich der Berherbergung und Gastronomie hat das Tourismusland Tirol stark getroffen. So sind die Tourismuseinnahmen von 8,7 Milliarden Euro im Jahr 2019 auf 5,9 Milliarden Euro im Jahr 2020 gesunken. Geringer als im Bundesschnitt war hingegen der Rückgang in der Tiroler Industrie. Mit einem Minus von 7 Prozent bei den abgesetzten Produktionsgütern war der Einbruch am viertgeringsten. Der Anteil des Produktionssektors an der regionalen Wirtschaftsleistung ist zwar in Tirol mit rund 21 Prozent im Schnitt des gesamten Bundesgebiets, jedoch wirkte sich hier die starke Fokussierung auf den Pharmabereich positiv aus.

Die Mehrzahl der Branchen in Österreich erreicht 2021 noch nicht das Vorkrisenniveau. Nachzügler bleibe heuer wegen der langen Schließung der Sektor Beherbergung und Gastronomie, sagte Bank-Austria-Ökonom Walter Pudschedl. Deshalb wird nach Bank-Austria-Berechnungen auch der Aufschwung in Tirol etwas langsamer vonstattengehen als in anderen Bundesländern. Während für Österreich ein Plus bei der Wirtschaftsleistung von 3 bis 3,5 Prozent erwartet wird, dürfte die Tiroler Wirtschaft mit 2 Prozent das geringste Wachstum aufweisen. Vor allem der Bausektor und die Industrie dürften für die Konjunkturwende sorgen. Vor allem die Schließungen in den ersten Monaten des Jahres 2021 bremsten das Wachstum im Tourismussektor.

Das dürfte sich auf die Entwicklung der Arbeitslosigkeit auswirken. Während Tirol vor der Corona-Krise die geringste Arbeitslosigkeit aufgewiesen hat, dürfte sie sich laut der Bank Austria mit Jahresende 2021 bei 7,7 Prozent und damit österreichweit an vierter Stelle einpendeln. Insgesamt dürfte die Arbeitslosigkeit in ganz Österreich heuer auf 9,2 Prozent zurückgehen.

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Ein Risiko für die Wirtschaft bleibt laut Bruckbauer ein neuerlicher Anstieg der Corona-Infektionen entweder wegen zu geringer Impfbereitschaft oder neuer resistenterer Virusvarianten. (ecke)


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