Wirtschaftskammer Tirol: Restart-Programm und Aus für Regeln

Einhelliger Beschluss im Tiroler Wirtschaftsparlament für Comeback-Plan, Ja zu Gratis-Tests für Urlauber.

  • Artikel
  • Diskussion
Politischer Schulterschluss in der Wirtschaftskammer (v. l.): Winfried Vescoli (Freiheitliche Wirtschaft), Michael Kirchmair (Sozialdemokratischer Wirtschaftsverband), WK-Chef Christoph Walser, Max Kloger (Industrie), Michael Carli (Grüne Wirtschaft), Hans Unterdorfer (Banken & Versicherungen) und Stefan Gleinser (NEOS).
© WK Tirol, Die Fotografen

Innsbruck – Es war ein Schulterschluss über alle Partei- grenzen hinweg: Alle Fraktionen in der Tiroler Wirtschaftskammer beschlossen einhellig das zuvor gemeinsam in einer Pressekonferenz präsentierte überparteiliche Restart-Programm, in dem Forderungen an Bund und Land für den Neustart der Wirtschaft nach der Corona-Krise aufgelistet werden. Im Gegensatz zum Parlament halte die Wirtschaft zusammen und lasse nicht „die Hackeln fliegen“.

Tirol sei von der Krise wegen des hohen Tourismus-Anteils (18 Prozent gegenüber etwa nur 2 Prozent in Deutschland) stärker getroffen worden als alle anderen Bundesländer, sagt WK-Präsident Christoph Walser. Nach den drei Lockdowns habe Tirols Wirtschaft einen Wertschöpfungs-Verlust von 8 bis 10 Mrd. Euro erlitten. Für das Comeback des Tourismus brauche es Nachhaltigkeit, Regionalität (etwa auch mit stärkerer freiwilliger Herkunfts-Kennzeichnung von Lebensmitteln), Authentizität und eine Stärkung der Familienunternehmen. Dafür seien jährlich 10 Mio. Euro nötig.

Zudem müsse in Aus- und Weiterbildung von Mitarbeitern investiert werden, denn der Fachkräftemangel sei trotz hoher Arbeitslosigkeit stark spürbar. Man müsse Arbeit fördern und nicht auf Dauer Arbeitslosigkeit und Kurzarbeit. Es sei auch wichtig, die Eigenkapitalquote der Betriebe zu stärken. Daher solle ein „Tirol Fonds“ kommen, ausgestattet mit 300 Mio. Euro für fünf Jahre, mit einer Haftungsübernahme durch das Land Tirol.

Die Wirtschaftsvertreter warnen auch vor einem zu frühen Auslaufen der Förder-Programme, wie dies Finanzminister Gernot Blümel (ÖVP) angekündigt hatte. Die Tiroler Kammer fordert dagegen eine Neuauflage des Ausfallsbonus für Tourismus-Betriebe, die einen Umsatzrückgang von mehr als 30 Prozent hinnehmen mussten. Sollte die Pandemie noch länger dauern, brauche es einen Bonus auch noch im Winter.

Kammer-Präsident Walser ist dafür, dass nach einer möglichst hohen Durchimpfung der Bevölkerung die Corona-Einschränkungen weiter abgeschafft werden. Wenn bis Mitte Juli jeder Impfwillige einen Erststich bekommen habe, sollten die Menschen „selber entscheiden“. So könnte dann die Überprüfung des 3-G-Status der Gäste durch die Wirte entfallen. Walser ist dafür, dass Urlauber vorerst weiterhin einen Gratis-Covid-Test in Tirol bekommen. Dies auch, „weil wir in Tirol international sehr gebeutelt worden sind“. (va)


Kommentieren


Schlagworte